Karl Lagerfeld: Die Models sind wie meine Familie

Karl Lagerfeld (81) liebt es, immer wieder mit denselben Models zu arbeiten.

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Karl Lagerfeld (81) liebt es, immer wieder mit denselben Models zu arbeiten.

Männliche Schönheiten wie Brad Kroenig (35) oder Baptiste Giabiconi (25) arbeiten häufig mit dem Designer und Karl ist sogar der Patenonkel von Brads fünfjährigem Sohn Hudson.

Mit der ‘New York Times’ sprach der legendäre Modeschöpfer über sein enges Verhältnis zu den Models: “Ich betitele das nicht. Ich gebe den Dingen, die ich designe, Titel, aber doch keinen Menschen”, überlegte er, als er auf seine Jungs angesprochen wurde. “Ich sehe sie als meine Familie. Ich habe sonst keine Familie, deswegen ist es gut, das zu haben, Söhne, aber ohne die unangenehmen Probleme, die Söhne verursachen können. Es ist eine Entscheidung, keine Verpflichtung. Das ist ein großer Unterschied. Ich habe eine Schwester in Amerika, die ich seit 40 Jahren nicht gesehen habe. Ihre Kinder schicken mir nie eine Weihnachtskarte.”

Brad gilt als eine der ersten Musen von Karl Lagerfeld, aber er hat kein Problem damit, dass jüngere Männer wie Baptiste nachrückten. Er ist einfach froh über das enge Verhältnis, das er zu dem Fashion-Guru pflegt.

“Es gab überhaupt keine Eifersucht, als Baptiste daherkam. Baptiste war zu der Zeit wahrscheinlich ungefähr 20, ich war etwa 30, also schätze ich, dass Karl von ihm mehr inspiriert wurde, was in Ordnung ist. Aber sehen Sie, Karl und ich rückten sogar noch näher zusammen, wegen all dem, was mit Hudson passierte. Die ganze Sache, dass er sein Pate wurde, fühlte sich ganz natürlich an. Das war keine abgekartete Sache!”

Auch Karl erklärte, nach wie vor gerne mit Brad zu arbeiten, er liebe es einfach nur, Abwechslung ins Spiel zu bringen. Deswegen habe Brad auch nie einen garantierten Platz in einer Chanel-Show und außerdem könnte man ja nicht “200 Jahre lang die gleiche Person fotografieren”.

Apropos Fotos: Seitdem Karl, der früher dafür bekannt war, nur übers Fax zu korrespondieren, ein iPhone besitzt, nutzt er dieses dafür, um mit Brad und seinem Patensohn Bilder auszutauschen. Dabei schickt der gebürtige Hamburger natürlich mit Vorliebe Fotos von seiner Katze Choupette und bekommt dafür im Gegenzug Schnappschüsse von Hudson und dessen Bruder Jameson.

Weiß der Patensohn eigentlich von der Berühmtheit seines Onkels? “Er weiß, dass Karl etwas besonderes ist”, lächelte Brad. “Er weiß, dass man ihn googlen kann und dass man nicht jeden googlen kann.” © Cover Media

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Linda Evangelista: Haar-Desaster vom Feinsten

Linda Evangelista (49) wollte schon immer so tolle Haare wie die Grazien aus ‘Drei Engel für Charlie’ haben.

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Linda Evangelista (49) wollte schon immer so tolle Haare wie die Grazien aus ‘Drei Engel für Charlie’ haben. Geklappt hat das bisher nicht ?

Das Supermodel hat jahrelang die internationalen Laufstege der Top-Labels unsicher gemacht und gibt ihr Expertenwissen als Jury-Mitglied bei ‘Australia’s Next Top Model’ an hoffnungsvolle Nachwuchstalente weiter. Während die Catwalk-Queen immer top gestylt aussieht, hat sie bereits ein paar fragwürdige Beauty-Entscheidungen getroffen. “Charlies Engel [aus der amerikanischen Krimiserie ‘Drei Engel für Charlie’] waren so heiß, als ich aufwuchs”, lachte sie im Gespräch mit dem britischen ‘Evening Standard’-Magazin und erklärte: “Ich versuchte, meine Haare genauso wie ihre zu machen, aber am Ende sahen sie immer total schlaff aus.”

Linda war Teil der großen Supermodel-Ära der späten 80er- und frühen 90er-Jahre und berühmt für ihren Spruch gegenüber der ‘Vogue’: “Für weniger als 10.000 Dollar am Tag stehen wir gar nicht erst auf.” Zwar sind die Damen alle älter geworden, doch stehen der Schönheit ihre damaligen Model-Kolleginnen noch sehr nahe. “Ich stehe mit Cindy Crawford, Naomi Campbell, Christy Turlington und den anderen Supermodels in Kontakt. Sie sind meine Mädels”, grinste sie. “Wenn wir kein Fotoshooting hatten, taten wir, was normale Leute so tun: Wir gingen zum Trinken aus oder wir lagen im Hotelzimmerbett von einer, sodass wir nicht allein waren.”

Dieses Jahr war für die Kanadierin überaus erfolgreich und so zierte sie das Titelblatt der Septemberausgabe des Modemagazins ‘Harper’s Bazaar’ sowie mit 49 anderen Model-Kolleginnen auf dem Cover der 50. Geburtstags-Ausgabe der italienischen ‘Vogue’. Ihr Ruhm in der Modewelt bedeutet auch, dass sie gute Verbindungen zu tollen Designern hat: “Karl Lagerfeld schien mir bei meinem ersten Treffen 1985 wie ein Gott. Ich war so eingeschüchtert. Niemand sagt einem besser, was man hören möchte, aber er ist außerdem ein außergewöhnlicher Zuhörer”, schwärmte Linda Evangelista. © Cover Media

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Toni Garrn: Immer noch ein Neuling

Toni Garrn (22) hat nach wie vor das Gefühl, ihre Laufbahn gerade erst zu starten.

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Toni Garrn (22) hat nach wie vor das Gefühl, ihre Laufbahn gerade erst zu starten.

Mit 13 Jahren wurde die Hamburgerin entdeckt und zwei Jahre später lief sie ihre erste Modenschau für Calvin Klein. Im Anschluss daran modelte die Blondine für Karl Lagerfeld, Patrick Demarchelier, Paola Kudacki, Peter Lindbergh und Mario Testino. Doch obwohl sie mittlerweile auf jede Menge Erfahrung zurückblicken kann, fühlt sich Garrn nach wie vor, als ob sie erst am Anfang einer hoffentlich langen Laufbahn steht. “Ich habe schon so viel gesehen und habe schon eine tolle Karriere hingelegt, aber gleichzeitig fange ich erst an”, erklärte sie im Interview mit ‘The Edit’ und fügte hinzu, dass ihre ältere Kollegin Christy Turlington (45) ein großes Vorbild für sie sei: “Alles was Christy in ihrer Karriere erreicht hat, wirkt so mühelos und [ihre Stiftung] Every Mother Counts ist großartig.”

Früher hätte sich die Fashionista nie erträumen lassen, dass sie das Modeln so weit bringen würde. Ganze 16 ‘Vogue’-Titelseiten und drei Victoria’s-Secret-Modenschauen landete der Star bereits. “Ich hatte keine Ahnung von der Modeindustrie. Ich war einfach größer als die anderen Mädchen in meiner Clique”, berichtete sie.

Nachdem sie ihre erste Show für Calvin Klein absolvierte, buchte sie das Label direkt am darauffolgenden Tag für die nächste Kampagne. “Ich dachte, dass das wohl gut sei, doch meine Agenten versicherten, dass es großartig ist. Ich wusste das nicht, ich war ja noch nie bei einer Show mitgelaufen”, lachte Toni.

Die ersten Monate waren sehr anstrengend für das Nachwuchsmodel, das jeden Freitag für Jobs und Castings von Hamburg nach New York flog und Sonntag wieder zurückkam. “Dann saß ich wieder neben meinen Klassenkameraden, die die Lehrer aussperrten und Papierflugzeuge durch die Gegend warfen”, erinnerte sich Toni Garrn und fügte lächelnd hinzu: “Jetzt bin ich sehr verwöhnt, ich habe schon so viele wunderschöne Orte gesehen.” © Cover Media

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Kelly Gale: Lob von Lagerfeld

Karl Lagerfeld (80) wählte aus mehreren Models Kelly Gale (19) bei ihrem ersten Treffen für seine Modenschau aus.

Bild von Kelly Gale Karl Lagerfeld (80) wählte aus mehreren Models Kelly Gale (19) bei ihrem ersten Treffen für seine Modenschau aus. Die Berufsschönheit traf den Chanel-Designer einen Abend vor einer Show. Lagerfeld sollte eigentlich nur den Look absegnen, aber er sah sofort mehr in der jungen Laufsteg-Grazie. “Ich glaube, da standen vier oder fünf andere Models, er sah sich alle an und dann bat er mich zu bleiben. Er sagte zu mir: ‘Du bist wirklich wunderschön’”, freute sich Kelly im Gespräch mit ‘Vogue.com.au’ über das Lob des Kult-Designers. Die Amerikanerin wurde mit 13 Jahren in einem Café entdeckt und landete in ihrer Karriere bereits in renommierten Modezeitschriften wie der ‘Vogue’ und schritt für Star-Designer wie Jean Paul Gaultier (62) und Diane von Furstenberg (67) über den Laufsteg. Darüber hinaus lief sie jüngst bei dem Modenschau-Spektakel für den Unterwäsche-Giganten Victoria’s Secret mit – all das, bevor sie ihren 20. Geburtstag feiert. Als Engel für das Dessous-Label ausgewählt zu werden beschrieb sie als “den besten Moment meines Lebens” und freundete sich auch gleich mit anderen Neuzugängen des Lingerie-Riesens an. Nun zählt sie Schönheiten wie Devon Windsor (20) und Sara Sampaio (22) zu ihren Freundinnen und hat sogar den gleichen Boxtrainer wie das Supermodel Adriana Lima (33). Kelly hat indische und australische Wurzeln und wurde in Schweden geboren, wo sie den Großteil ihres bisherigen Lebens verbrachte. Als sie dort aufwuchs, kam für sie nie eine Karriere in der Modewelt in Frage. “Als ich jünger war, spielte ich Fußball, lange Zeit dachte ich, dass aus mir eine Fußballspielerin werden würde”, erklärte die exotische Beauty. “Ich musste mich entscheiden, auf was ich mich konzentrieren wollte. Ich genoss die Anfänge meiner Model-Karriere wirklich, also dachte ich, dass ich versuchen sollte, meine Chance zu nutzen.” Wie es scheint, hat Kelly Gale die richtige Entscheidung getroffen. © Cover Media Continue reading “Kelly Gale: Lob von Lagerfeld”

Elisa Sednaoui Dellal: Karl Lagerfeld hat es drauf

Elisa Sednaoui Dellal (26) lobte Karl Lagerfeld (80), dass er die schönsten Bilder von ihr gemacht hat.

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Elisa Sednaoui Dellal (26) lobte Karl Lagerfeld (80), dass er die schönsten Bilder von ihr gemacht hat.

Die Beauty, in der ägyptisches, französisches und italienisches Blut fließt, träumte während ihrer Schulzeit nie davon, eines Tages als Model vor der Kameralinse Karriere zu machen. Doch es kam anders: Seitdem die Grazie auf der Mode-Bildfläche erschien, wurde sie zum Kampagnen-Liebling von hochkarätigen Labels wie Chanel, Roberto Cavalli und Diane von Furstenberg. “Ich war in der Schule ein kleiner Streber”, gab sie gegenüber ‘The Edit’ zu. Daher kamen Catwalk und Co. zunächst gar nicht infrage. “Ich dachte, dass ich eine diplomatische Laufbahn einschlagen würde.” Weil sie ein kluger Kopf ist, wählt sie auch ihre Jobs mit Bedacht aus. “Ich war schon immer sehr wählerisch, was die Model- und Schauspiel-Aufträge anging, die ich gemacht habe. Karl hat ein paar der besten Bilder von mir gemacht. Er macht immer Aufnahmen von mir exakt so, wie ich ankomme, mit kaum Make-up oder Haar-Styling.” Zu ihren weiteren Fotografie-Idolen, mit denen sie bereits liebend gerne gearbeitet hat, gehören Peter Lindbergh und Magnus Unnar.

Doch lässt sie sich nicht nur von den Star-Knipsern inspirieren, sondern auch von den Modehäusern, für die sie modelte. Elisa mag es, ihren Stil zu mixen und hält dabei bei Männern sowie Frauen gleichermaßen Ausschau nach modischen Anregungen. “Ich mag es, zwischen maskulin und feminin zu wechseln: Mal trage ich eine lange fließende Robe und am nächsten Tag einen Smoking mit Budapestern und einem Hemd. Oder ich trage auch liebend gerne meine klassischen Smaragdohrringe mit Jeans. Ich liebe das Spiel, den Kontrast”, erklärte sie ihren Look.

In Bezug auf ihr Erbe gab die brünette Schönheit zu, dass ihre multikulturelle Erziehung ihr verschiedene Kulturen näher brachte und sie auch gerne in unterschiedlichen Ländern lebte. “Die ersten sechs Jahre meines Lebens verbrachte ich in Ägypten; [ich ging zu] einer irischen Kindertagesstätte in Kairo, bis sich meine Eltern getrennt haben. Meine Mutter und ich wohnten dann in Mailand und ab meinem 18. Lebensjahr lebte ich in einer ruhigen Stadt in Piermont wie in einem Schloss auf einem kleinen Berg. Gutes Essen, guter Wein, bodenständig und einfach”, lächelte sie. Jetzt lebt Elisa Sednaoui Dellal gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Galeriebesitzer Alex Dellal (30), in London. © Cover Media

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Exklusiv: Inès de la Fressange über dies, das & mehr

Wenn man sich bei einem Press-Junkett auf den billigen Plätzen am Ende des Tages wieder findet, gibt es zwei mögliche Szenarien: Entweder hat der Interviewte nach gefühlten 500 Interviews überhaupt keine Lust mehr und bockt. Oder man sitzt jemand total Aufgedrehtem gegenüber, der sich dem Ende bewusst ist und deshalb alle Zügel lockert.

Letzteres war der Fall bei meinem Interview-Slot mit Inès de la Fressange anlässlich ihrer zweiten Modekollektion für Uniqlo, die im Sommer in die Läden kommt. Die Pariserin wollte vor allem eines: Nicht mehr über sich sprechen und startete mit einer wirren Charme-Attacke.

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Aber lest selbst:

Barbara Markert alias Parisoffice: Dass wir nun bei Uniqlo Inès-de-la-Fressange-Mode kaufen können, ging durch nur, weil sie wieder die Rechte an ihrem Namen besitzen, oder?

Inès de la Fressange [leiert genervt]: Das ist tatsächlich etwas kompliziert. Der Name gehörte der Unternehmung Inès de la Fressange. Sie wurde im Juni 2013 zurückgekauft und damit hatte ich auch wieder das Recht an meinem Namen. Parallel hatte mich Uniqlo kontaktiert für eine Kollektion. Drei Monate früher wäre das gar nicht gegangen, weil ich meinem eigenen Namen gar nicht nutzen konnte.

[Eine Sprechpause setzt ein. Inès de la Fressange setzt sie sich gerade hin und beugt sich zu mir nach vorne.]

Aber viel wichtiger ist: Woher stammt ihre Bluse?

PO: COS, letzter Winter.

Inès d-l-F.: Hm. Die Farbe ist super. So was haben wir leider nicht in der Kollektion.

PO: Kommen wir also zu Ihrer Kollektion. Was sollen wir Deutschen kaufen, damit wir so pariserisch wie Sie aussehen?

Inès d.l.F.: Ihre Bluse

[A.d.R.: Ich ließ nicht locker und habe es dann doch noch raus bekommen, was man kaufen soll. Hier steht es.]

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PO: Die Sommerkollektion Inès de la Fressange ist nahezu ausverkauft. Aber ich habe gehört, dass Ende April noch Nachschub kommt. Was denn?

Inès d.l.F.: Ach, das ist der Part „Soufle de Parisienne“ [übersetzt so etwas wie „Der Schnaufer der Pariserin“]. Das ist Sportswear-Mode. Dabei weiß ich gar nicht, was Sport ist.

PO: Aber sie haben mir in einem anderen Interview erzählt, dass sie mit dem Boxen anfangen wollten.

Inès d.l.F.: Das stimmt und das habe ich sogar gemacht. Es ist ziemlich genial. Zuerst bekommt man solche Bänder um die Hand gebunden und dann kommen die Box-Handschuhe. Ich habe ganz Tolle aus rotem Leder. Um mich zum Sport aufzuraffen, muss ich mich stimulieren. Das einzige, was bei mir wirkt, ist ein schickes und gut aussehendes Sport-Outfit. Natürlich will ich auch nicht so eine große, schreckliche Short anziehen müssen. Ich wollte Hosen, die wie Jogginghosen sind, aber nicht so weit nach oben gehen und auch unten nicht so weit sind.

PO: Und? Kann ich so eine Hose bei Uniqlo in der Souffle-Kollektion kaufen?

Inès d.l.F.: Oh ja. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie kompliziert es ist, ein stinknormales Sport-T-Shirt zu designen. Das ist eine Wahnsinnsarbeit! Es muss aus einem angenehmen Stoff sein, gut geschnitten… und in normalen Farben. Ich verstehe gar nicht, warum beim Sport für Mädchen alles in so komischen Farben sein muss wie Rosa, Mauve, Violett, irgendwelche Pastelltöne oder „ausgedrückte Himbeere“. Das ist doch furchtbar!  Warum kann das nicht Weiß, Schwarz, Marineblau oder Cremeweiß sein? Nur weil wir Sport treiben, müssen wir uns doch nicht verkleiden? Unter uns: Ich rede hier nun so rum, weil Sportklamotten mir vor allem dazu dienen, gemütlich zuhause zu bleiben.

PO: Ok, was tragen Sie auf dem Sofa?

Inès d.l.F.: Das gibt es diese Hosen aus dem Ballett, die bequem sind und gut aussehen. Es gibt schließlich keinen Grund, hässlich auszusehen, nur weil wir zuhause rumlungern und amerikanische Serien im Fernseher gucken, bei denen wir rein gar nichts kapieren. Immerhin wohnen zuhause die Menschen, die wir mehr als alles Andere auf der Welt lieben.

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PO: Kommen wir zu neuen Winterkollektion. War denn von Anfang klar, dass die Kooperation zwischen Ihnen und Uniqlo in eine zweite Runde geht?

Inès d.l.F.: Ja. Wissen Sie, ich bin in dieser Kooperation das verwöhnte Kind. Naoki [Takizawa] macht alles, um mir Vergnügen zu bereiten. Ich weiß nicht, ob er das macht, weil er mich noch nicht lange kennt.  Vielleicht wird später ja unangenehm.

[Naoki Takizawa, Kreativdirektor von Uniqlo lächelt höflich.]

PO: Herr Takizawa, die bekannte Koop Uniqlo x Jil Sander dauerte mehrere Jahre. Könnten Sie sich vorstellen auch länger mit Inès zusammen zu arbeiten?

Naoki T.: Oh ja, Inès hat ständig neue Ideen und mir hat die Zusammenarbeit sehr viel Freude gemacht. Ich denke, wir könnten das ausdehnen.

Inès d.l.F.: 10 Jahre!

Naoki T.: Warum nicht? Diese Kollektion kommt von Herzen und das ist faszinierend. Wer weiß, vielleicht sollten wir über 20 Jahre nachdenken.

Inès d.l.F.: Nein, 20 Jahre – das ist zu lang! Dann sind wir ja schon richtig alt. Zwar noch am Leben, aber wir sitzen im Rollstuhl.

Naoki T.: Ist das schlimm? Mein Großvater kauft auch bei Uniqlo.

Inès d.l.F.: Siehst du, wir sollten über bessere Zugänge in den Läden für Rollstuhlfahrer und alte Leute nachdenken.

PO: Herr Takizawa, wie fühlt sich das an, mit einer typischen Französin zusammen zu arbeiten?

Naoki T.: Die Franzosen arbeiten sehr viel mit Emotionen.

Inès d.l.F. [unterbricht]: Ich denke, meine Kollektion bringt einen bisschen Frivolität in diese technisch ausgerichtete, nüchterne Linie. Ich bin hier sozusagen für den Girly Touch zuständig.

Naoki T.: Drücken wir es so aus: Wir geben dem coolen, modernen Trend des Hauses eine neue Beauty.

Inès d.l.F.: Wissen Sie, die Japaner denken immer, dass sie vernünftig und diszipliniert sind.  Aber im Grunde sind die alle ziemlich crazy. Aber natürlich dürfen sie das nicht zeigen. Also schicken sie mich vor und sagen, dass ich crazy wäre.

PO: Inwiefern?

Inès d.l.F.: Weil ich Blumen-Dekors und Muster haben wollte. Für den Winter. Blumen in Winter! Sie erlaubten mir, verrückt zu sein, aber im Grunde sind sie sehr viel verrückter als wir Franzosen. Insgeheim freuen sie sich, dass es da eine wie mich gibt, die alles das Verrückte will, was sie auch selbst wollen. Das nennt man dann den „French Touch“. Dabei ist das gar nichts typisch französisches, sondern durchaus japanisch. Nehmen wir die Drucke, die kommen teilweise aus deren Kultur. Manchmal musste ich das Japanische regelrecht aus ihnen herauslocken.

PO: Glauben Sie denn der Kunde erkennt in der Kollektion den „French Touch“ der Inès de la Fressange? Mir sagte heute eine Frau, dass sie nicht sicher sei, ob Sie in Deutschland noch bekannt wären. Die Frau ist 25 Jahre alt, die kann sie gar nicht kennen. Die ist ja viel zu jung.

Inès d.l.F.: Eben! Wir sind nämlich alt und haben graue Haare. Wir sind so alt, dass wir Karl Lagerfeld noch aus der Zeit kennen, als er sich die Haare puderte und dick war. Die jungen Leute kennen Lagerfeld nur in dünn, mit schwarzen Jeans und coolen Ringen am Finger. Wir dagegen kennen ihn aus der Zeit, als er noch Anzüge trug. Sogar Tweed-Anzüge und Krawattennadel! Wir sind so alt, dass wir Lagerfeld kannten, als er alt war. Heute ist er ja ganz jung geworden!

[Auch Naoki Takizawa, übrigens früher Art Direktor bei Issey Miyake und schon länger in der Pariser Modeszene unterwegs, muss herzlich lachen.]

Aber jetzt mal ernst: Es ist gar nicht schlimm, wenn die Leute mich nicht mehr kennen. Ich hatte meinen Ruhm, meinen Namen riesengroß in Leuchtschrift… Ich war sogar in der Letterman-Show! Das alles hatte ich schon. Dass man mir gratuliert, das brauche ich nicht mehr. Wenn die Leute meine Mode begutachten und sie dann kaufen, dann freut mich das sehr. Letzte Woche war ich im Laden und die Dame neben mir starrte nur auf die Kleider. Die nahm gar keine Notiz von mir.

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PO: Was denken denn ihre eigenen Töchter von der Kollektion?

Inès d.l.F.: Ach, die beschweren sich ständig: „Mama, du hast uns versprochen, dass wir ganz viele Kleider haben werden. Wo sind die denn jetzt?“ Und ich antworte dann immer: „Tja, leider ausverkauft!“ Meine Tochter, sie ist 14 Jahre alt, wollte unbedingt dieses eine lange schwarze Kleid, das vorne offen ist. Für mich ist das der Stil der Anna Magnani. Meine Tochter kann diesen Filmstar aus den 50ern gar nicht kennen, aber sie wollte unbedingt dieses Kleid. Nicht die T-Shirts, nicht die Khaki-Hose, nicht die Nylon-Jacke, nein, sie wollte dieses lange, schwarze Kleid. Gestern habe ich endlich eines im Laden gefunden in XS und sofort gekauft. Man versteht das nicht. Die Jugend ist komisch. Sie haben völlig andere Ideen. Wie sollen wir wissen, was die jungen Leute mögen? Deshalb muss man auch in der Erziehung umdenken und sich ihrer Referenzen bedienen. Früher sagte man: „Lauf ordentlich, lächele!“ Heute sage ich eben: „Sei so wie Leonardo di Caprio auf Titanic.“ Das versteht sie dann.

PO: Die Kooperation mit Uniqlo ist  –  so habe ich gehört – nur der Startschuss zum Revival ihres eigenen Labels. Sie wollen laut der Presse sogar eigene Läden eröffnen. Stimmt das?

Inés d.l.F.: Oh, ja, das wünsche ich mir, es ist aber noch nicht Realität. Deshalb dachte ich mir, dass zwischenzeitlich ein Konzeptstore mit Uniqlo toll wäre. Aber davon wissen die noch nichts.

[Naoki Takizawa lächelt wieder höflich.]

Denn da gibt es doch all’ diese wunderbaren, japanischen Gadgets: die Papiersachen, die Bonbons, die Stempel und diese tollen Stifte, die wie Tipp-Ex funktionieren, aber heraus kommt ein Streifen mit lauter Mustern. Solche Sachen gibt es nur in Japan! Sie machen einen Strich und –  schwups – haben Sie lauter kleine Designs gemalt. Ganz zu schweigen von den super lustigen Kleberollen. Naoki hat mir auch ganz reizende Armbanduhren mit Hello-Kitty-Motiven mitgebracht. Das gäbe es dann alles in unserem Konzeptstore.

[Naoki Takizawa schaut Inès amüsiert an und schüttelt fragend den Kopf.]

Heute Nachmittag hatte ich noch eine andere gute Idee! Uniqlo hat mir nun bewiesen, dass sie gutes Design mit schönen Materialien zu günstigen Preisen machen können. In der Mode. Nun hätte ich gerne, dass sie das Ganze ausweiten auf eine Hotelkette. Dort gäbe es ganz feine Bettbezüge, in Weiß und aus guter Qualität. Das Dekor wäre sehr japanisch. So im Stil Zen. Aber vor allem wären die Räume gar nicht teuer, sehr sauber und schön. Wie damals in den 60ern in den Hilton Hotels, wo man wusste, dass man einen amerikanischen Standard erwarten konnte.

 

PO: Was wäre denn bei den günstigen Uniqlo Hotels Ihr Job?

Inès d.l.F.: Naoki macht die Dekoration und ich den Rest, so Handtücher und Seifen. Einen Roomservice gäbe es nicht. Aber das kümmert ja auch keinen. Nur eine Endreinigung. Das müsste reichen. Als Kunden hätten wir lauter junge Leute. Nein viel besser: kleinere, schmalere Betten sind für die Jüngeren und die großen, breiten Betten in den Suiten sind reserviert für die Alten, also für uns.

PO: Herr Takizawa, was halten Sie davon? Inès hat viele Pläne.

Naoki T.: Ja, ich weiß.

Inès d-l-F.: Sehen Sie, er hat schon genug von mir.

Modepilot-Interbiew-exclusiv-Ines_de_la_fressange-Fashion-BlogNaoki Takizawa, PO, Inès de la Fressange noch auf dem Sofa im Showroom, bald aber in der in Uniqlo Hotelkette. ;-)

Fotos: PR Uniqlo aus der Winterkollektion 2014-15