Über die Supermodel-Mafia und Female Empowerment – Im Interview mit Topmodel Toni Garrn

Supermodel-Mafia. …

Supermodel-Mafia. Zu der gehört Toni Garrn. Ob ich mir diesen Begriff ausgedacht habe? Keinesfalls. Diese Riege gibt es wirklich. Sie ist geheim. Exklusiv. Und voll von internationalen Supermodels. Der Sinn und Zweck dieser Gemeinschaft? Female Empowerment. Und das steht nicht nur abgewandelt auf dem T-Shirt, was Toni Garrn trägt, als ich sie gestern zum Interview im Berliner Pop-up Shop von Vestiaire Collective treffe, nein, es ist ihr ernst mit dieser Botschaft – und ihrer Mafia-Gruppe, in der sich Models auf Whatsapp austauschen, ihre Probleme teilen und ihre Kolleginnen auf Charity-Aktionen aufmerksam machen.

Denn seit 2014 ist sie Global Ambassador der Plan’s International’s Because I am A Girl Kampagne und gründet ihre eigene Toni Garrn Foundation. Damit unterstützt sie die Bildung von Mädchen und Frauen in Afrika, genauer gesagt in Simbabwe und arbeitet auf eine Zukunft hin, in der Kinder, besonders Mädchen, ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Was die Foundation dafür tut: Sie baut Schulwohnheime für Mädchen, um die Distanz zwischen Schule und Zuhause zu vermindern, baut Girls-Only-Badezimmer, denn oft wird den Mädchen während der Periode verboten zur Schule zu gehen und vermittelt den Girls auch psychischen Support in Form von Treffen mit ausgebildeten Gesprächspartnern, die ihnen neue Ideale in Sachen Gleichberechtigung lehrt.

Deine Organisation setzt sich für die Bildung von Mädchen in Afrika ein. Wieso liegt dir dieses Thema so sehr am Herzen?

Das kam durch meine Reisen nach Afrika. Mir ist dort sehr schnell aufgefallen, dass Frauen dort nicht gleichberechtigt sind und kein Recht auf Bildung haben. Es ist erschreckend zu sehen, wie viel mehr Arbeit und wie viel weniger Rechte Frauen und Mädchen dort haben. Ich liebe den Kontinent und kann einfach nicht weg schauen.

Hast du eine persönliche Geschichte, die dich vor Ort besonders berührt hat?

Viele. Aber eine ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Als ich vor circa vier Jahren in Burkina Faso war, einem westafrikanischen und überwiegend muslimischen Land, habe ich dort ein junges Mädchen in einer Mädchenschule kennengelernt. Sie hat mich damals zur Seite genommen, mit 15 Jahren, und ich konnte sie kaum verstehen, weil sie Französisch gesprochen hat. Sie brauchte damals dringend Hilfe, weil sie eines Tages nach der Schule nach Hause kam und von ihrem Vater mit Pfeil und Bogen angegriffen wurde. Weil er nicht wollte, dass sie weiterhin zur Schule geht. Als sie im Krankenhaus aufwachte, sagte ihr Mutter zu ihr, dass sie nicht mehr nach Hause kommen soll. Sie war dort nicht mehr willkommen.

Das Recht auf Bildung ist für Frauen in Afrika einfach keine Selbstverständlichkeit. Die Dörfer, die Regierung, die Tradition, die Kultur – sie alle verstehen nicht, warum Frauen zur Schule gehen sollten, wenn sie später sowieso verheiratet werden und Kinder bekommen. Es erscheint ihnen viel logischer und finanziell sinnvoller, wenn die Frau bei der Familie bleibt. Aber die Mädchen, die ich kennengelernt habe, möchten ausgebildet werden und lernen. Sie wollen mehr vom Leben als mit 15 Jahren verheiratet zu werden, Kinder zu bekommen und den Kreislauf fortzusetzen.

Wie überprüfst du die Fortschritte deiner Organisation?

Ich fahre selbst regelmäßig nach Afrika, schaue wo Bedarf ist, entscheide mich für Projekte und überprüfe dann auch die Umsetzung. Das Ganze gemeinsam mit Plan International, die auch Leute vor Ort haben.

Doch anstatt ferne Charity-Events zu veranstalten, bei denen reiche Leute Teile ihres Vermögens spenden, hat sich Toni Garrn, bodenständig wie sie als Hamburger Mädchen ist, eine andere Möglichkeit überlegt, wie sie möglichst viel Geld für den guten Zweck sammeln kann: den guten, alten Flohmarkt.

Schon seit mehreren Jahren veranstaltet sie in New York ihren berühmten Charity-Flohmarkt, bei dem sie zusammen mit Model-Kolleginnen ihre Kleidung spendet. Denn ein Problem, was man als internationales Supermodel zu haben scheint ist: Klamotten in Massen. Und die sollen nicht im Schrank einstauben, sondern für etwas Gutes sorgen.

Schön für diejenigen, die in den letzten Jahren das Glück hatten, in New York zu sein. Pech für alle die, die in Europa nichts von der Modelmode abbekamen. Mehr Kunden, mehr Geld, mehr Bildung – das wurde auch Toni Garrn schnell klar und so war es ein logischer Schritt, dass sie ihren Charity-Flohmarkt auf eine internationale Ebene ausweitete und sich mit Vestiaire Collective zusammentat. Jetzt kann jeder die Kleidung online kaufen und seit heute auch in drei Offline-Pop-up-Shops in ganz Europa.

Wie bist du auf die Idee mit dem Charity-Flohmarkt gekommen?

Ich hatte viel zu viele Klamotten und habe einfach mal aussortiert. Meine ganzen Freundinnen ging es genauso. Zum selben Zeitpunkt wollte ich Gelder für meine Foundation sammeln. Also stellte ich mir die Frage: Wieso verkaufe ich meine Sachen nicht einfach? Es fing ganz klein an: Ich habe alles selbst gefaltet, gebügelt, Kleiderständer aufgebaut und meine Mutter ist extra eingeflogen zum Helfen. Meine Agentin ist dann noch dazu gekommen und zusammen haben wir dann tagelang Preise gegoogelt: Was kostet eine alte Fendi-Tasche? Wir haben alles selbst organisiert, um ein bisschen Geld einzunehmen. Im ersten Jahr haben wir ca 20.000 Dollar eingenommen, im zweiten Jahr dann schon um die 50.000 Dollar – die Leute fanden die Klamotten cool und Models haben nunmal viel davon. Eine Win-Win-Situation. Jetzt haben wir uns mit Vestiaire Collective einen Partner gesucht, der den Flohmarkt nach Europa bringt und sich um die Logistik kümmert.

Wie kann man sich das Aussortieren vorstellen? Du und deine Modelkolleginnen zusammen vor dem Kleiderschrank?

So ähnlich. Um die Top-Teile von bekannten Namen zu bekommen, muss ich fast alle selbst ansprechen. Ich sage meinen Mädels: Haltet das zurück oder schickt es mir. Am Anfang habe ich dann noch alles in meiner Wohnung gesammelt und weggepackt. Jetzt hilft mir aber wie gesagt Vestiaire Collective mit der Logistik. Wir sammeln alles in London, von dort werden die Teile nach Berlin und Paris versendet. Und dank Vestiaire Collective, findet der Sale ja nun zum ersten Mal auch online statt.

Gibt es denn ein Kleidungsstück, was du niemals hergeben würdest?

Meine Jacke, die ich heute trage. Eine alte Unisex Levi’s Jacke mit ganz vielen Zippern. Ich hatte schon Angst, dass sie aus Versehen hier zwischen den gespendeten Sachen landet! Das wäre gar nicht lustig!

Welches ist dein Lieblingsteil aus dem Charity Sale?

Mein rotes Kleid, das vorne im Schaufenster hängt. Das hatte ich so oft an. Ich war damit auf Geburtstagen, Hochzeiten – damit verbinde ich so viele Geschichten. 700 Euro hat es gekostet und es ist schon verkauft. Damit können wir so vielen Mädchen ein Jahr Schule finanzieren. Das macht mich so glücklich.

Warum sollte man unbedingt im Pop-up-Shop vorbeischauen, wenn es auch online viele Teile gibt?

Es sind nur 100 Kleidungsstücke online, insgesamt haben wir aber über 2000 gesammelt. Ich bin vorhin schon hier im Store herumgelaufen und habe mich gefragt: Wo sind meine Taschen? Und meine Lederjacken? Die haben wir hinten versteckt und jeden Tag werden neue Sachen herausgehangen zum Verkauf. Für die nächsten zwei Städte haben wir auch noch viele tolle Teile in petto. Es lohnt sich also, jeden Tag vorbeizuschauen!

Vielen Dank für das Interview, liebe Toni!

Supermodel Charity Sale

Appel Design Gallery

Torstraße 114

Freitag + Samstag: 10:00 – 19:30

Fotos: Toni Garrn x Vestiaire Collective – Fotograf Giles Bensimon

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News du JOUR: LiebLinks KW 24

Auf die Plätze, fertig, los! …

Auf die Plätze, fertig, los! Denn auch wenn Jessie gerade ihren Urlaub auf Rhodos genießt und die Zeit auf ihren traumhaften Instagram-Fotos still zu stehen scheint, bei uns tut sie das nicht. Das Modekarussell dreht sich in seiner gewohnten Geschwindigkeit und es gibt immer neue Sachen zu entdecken.

Bei uns im Office löst der Sale bei eine wahre Shoppingsucht aus (ups…), Burberry versucht einen Imagewandel, wir verlieben uns ein ein neues Musikalbum und eine DJane. Mehr erfahrt ihr jetzt:

Mytheresa Sale!*

Shopping olé, der Sale von ist gestern offiziell in die heiße Phase gestartet! , , – alle Designer, die wir lieben, gibt es dort jetzt mit bis zu 50 Prozent Rabatt zu kaufen. Sehr gefährlich, deswegen haben wir schnell mal unsere Lieblinge für euch zusammengestellt:

Foto via nytimes.com von Blaine Davis

Homestory der Woche: Mustermix

Was Interior angeht, sind wir im Team ziemlich unterschiedlich unterwegs. Alicja mag es gerne ganz puristisch, Jessie skandinavisch mit einem femininen Touch und ich gehe mit blauer Samtcouch und buntem Berberteppich auch mal richtig in die Vollen. Was uns aber alle eint: die Angst vor Mustern. Gut, dass es da die Homestory von Lisa Fine in der NY Times gibt, die uns diese Bedenken nimmt. Dort wird nämlich klar, umso mehr Muster, umso besser?!

Alle Bilder gibt es hier!

Koop der Woche: Byredo x Ikea

Nein, das hier wird keine schräge Koop wie Vetements und Ikea. Man könnte es stattdessen einfach so beschreiben: Zwei schwedische Labels, Parfumbrand Byredo von Ben Gorham und , haben sich zusammengetan mit einer Mission: Den Geruch von Zuhause in unsere vier Wände zu bringen. Das riecht ja maßgeblich für jeden anders und deswegen bin ich umso gespannter, was uns in Zukunft erwartet. Hier kommt schon mal ein kleiner, mysteriöser Teaser:

Label Love: Victoria

Kommen wir noch einmal zu unserem #teamjournelles zurück. Nicht nur in Sachen Interior sind wir alle unterschiedlich, auch in Sachen Sommergarderobe: Jessie ist eh die Queen of Isabel Marant, Lexi bringt Surfer-Vibes nach Berlin, Yildiz bleibt konsequent minimalistisch und ich mutiere mit den ersten Sonnenstrahlen zum Hippie.

Jessie, Alexa, aufgepasst, ich hab da was für unsere Boho-Seelen: Das neue Capsule Label von , benannt nach seiner Designerin Victoria Durrer-Gasse, das die schönsten Blusen und Kleider für Strandabende bereithält.

Die fünfteilige Kollektion ist ab sofort exklusiv im erhältlich.

Lesetipp: Interview mit London Grammar

Letzte Woche haben wir euch noch unsere ultimative Sommer-Playlist für den Balkon vorgestellt, diese Woche kommt das passende Interview dazu von der L’Officiel. Die haben die britische Band London Grammar nämlich getroffen und mit ihnen über ihr neues Album“Truth is a beautiful thing“ gesprochen. Ein ausgesprochen ehrliches Interview.

Kooperation: Chiara Ferragni x Tod’s

Sie ist DIE Bloggerin unserer Generation, hat nicht nur ihr eigenes Label und ihren eigenen Onlineshop, ihre Verlobung wurde wie die eines Popstars gefeiert und auf Instagram folgen ihr fast zehn Millionen Menschen. Doch das alles ist der Business-Blondine nicht genug!

Zusammen mit dem italienischen Label hat sie zwei Klassiker der Marke neu interpretiert. Loafer und Tasche erstrahlen jetzt in neuem Design und das ist so gar nicht Ferragni-mäßig mit viel Glitzer und Ironie, wie man es von ihrer eigenen Marke kennt.

Burberry enthüllt neues Lookbook mit Gosha Rubchinskiy

Auch wenn wir uns auf Journelles eigentlich nicht mit Männermode beschäftigen, diese News können wir euch nicht vorenthalten. Nachdem Vetements die Rige der unglaublichen Kooperationen gestartet hat, Louis Vuitton und Supreme nachgezogen sind ist jetzt auch Burberry bereit, in die Sphären der gehypten Labels aufzusteigen. Als Partner haben sie sich DEN russischen In-Designer Gosha Rubchinskiy ausgesucht, der mit Hammer und Sichel und gotischer Schrift schon längst ein großer Name in der Modeszene ist.

Und was sollen wir sagen, der leichte artsy/hipster/boyish Vibe steht dem britischen Traditionshaus gut! Bitte auch als Frauenkollektion, aber schnell…

Ein Beitrag geteilt von Burberry (@burberry) am

Bag Love: Dodo Bar Or

Mensch Lexi, da haste mich wieder voll und ganz erwischt. Bommeln, Hippie Vibes und meine momentane Lieblingsfarbe Rot – schon klicke ich auf den magischen Button: in den Warenkorb. Wenn dann noch Sale dabei steht (wie bei den kleinen Bucket Bags bei ) ist es ganz um mich geschehen. Kein Wunder, dass Jessie das Label momentan so liebt und hier und hier schon getragen hat.

Insta Love: @parisianthings

Es dürfte nichts Neues für euch sein, dass ich gerade voll und ganz den Französinnen verfallen bin: Jeanne Damas, Violette, Eleonore Toulin, Louise Follain, Camille Rowe – hach, könnte ich doch auch irgendwie an ein Stück französisches Blut kommen… Die Accounts kann ich euch auch nur empfehlen, aber parisianthings fasst das Lebensgefühl mit den schönsten Inspirationsbildern zusammen – laissez faire!

Beauty Shelf: Alexandra Richards, DJane

Oh oh, Alexandra Richards hat nicht nur die Attitude, die ich manchmal gerne versprühen würde, sondern auch den perfekten Blondton und die reinste Haut, dazu wunderschöne helle Augen. Ich kann mir also schon vorstellen, warum Into The Gloss sie zum „Top Shelf After Dark“ gebeten hat. Ihr steht also schon einmal auf meiner Wishlist, genauso wie der .

Foto via intothegloss.com

*In freundlicher Zusammenarbeit mit Mytheresa.com

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Ein Mann des guten Geschmacks: Unsere Homestory mit Philipp von Pharmacy

Das Beste schon mal vorneweg: Philipp hat eine Badewanne im Schlafzimmer! …

Das Beste schon mal vorneweg: Philipp hat eine Badewanne im Schlafzimmer!

Für unsere zweite Homestory besuchen wir den sympathischen Friseur in seiner wunderschönen 3-Zimmer-Altbauwohnung in Kreuzberg. Vor sechs Jahren eröffnete er dort den eigenen Salon Philipp Hofstetter – Pharmacy. Von seinen eigenen vier Wänden aus sind es nur ein paar Stufen im Treppenhaus, die ihn von seinem Laden trennen.

Philipp sagt selbst von sich, dass ihm schnell klar wurde, dass er partout nichts machen wollte, wozu man zuerst jahrelang studieren muss. „Ich bin eher der Arbeiter.“ Am liebsten hätte Philipp Landschaftsarchitektur studiert, dann Modedesign („Aber mit Stoffen konnte ich so gar nicht umgehen“) und schließlich Kommunikationsdesign.

Ob es schon immer sein Plan war Friseur zu werden? Eigentlich gar nicht. Aus einem kleinen Dorf bei Bayreuth kommend, war ihm zunächst gar nicht klar, welche Möglichkeiten der Friseurberuf für ihn bereit halten könnte und welches Bild er damals überhaupt von sich selbst hatte.

Kurz vor Schluss ließ er sich dann doch noch überzeugen und schrieb Bewerbungen an verschiedene Friseursalons – unter anderem auch an Udo Walz in Berlin. Alle wollten ihn haben, nur aus Berlin kam eine Absage. Bis in letzter Minute doch noch eine Nachricht von dem renommierten Friseur eintrudelte. Mit der Bitte, er solle doch direkt bei ihnen anfangen, weil jemand anderes abgesprungen sei. Gesagt, getan.

„Oma hat mir 300 Euro geliehen und dann bin ich los.“ Nach der ersten Zeit in Neukölln in einer WG zusammen mit zwei Jungs („Bevor ich anfangen konnte abends zu kochen, musste ich meist als erstes eine Stunde putzen“) und weiteren Stationen in Kreuzberg ist er jetzt angekommen.

Fragt man Philipp nach der Herkunft seiner Möbel, ist fast nichts einfach nur gekauf‘. Die meisten seiner Einrichtungsgegenstände haben eine kleine Geschichte, weil er sie über Umwege durch Freunde bekommen hat. Den beeindruckenden Teak-Esstisch und die dazu passenden Stühle? „Achso, das habe ich von einer Freundin übernommen.“ Der abgefahrene Teppich? „Der ist von meinem Ex-Freund.“ Und diese genialen Holz-Vasen? „Die hat ein Mitarbeiter mal mit in den Laden gebracht und dann stehen lassen.“

Mal abgesehen von einer guten Portion Glück und guten Freunden, hat Philipp ein Gespür für die richtigen Kombinationen und seinen eigenen Stil. Die beiden großformatigen Bilder hat er selbst gemalt und die schwarze ausladende Lampe in der Ecke neben dem Tisch ist ebenfalls selbst gemacht.

Oma hat mir 300 Euro geliehen und dann bin ich los.

Wo lässt du dich inspirieren?

Ganz klassisch, denn ich liebe Magazine. Die Architectural Digest lese ich sehr oft. Allerdings kann ich auch nicht sagen, dass ich nur analog unterwegs bin, denn ich verliere mich auch gern mal bei Instagram. Da wird einem nur leider allzu schnell bewusst, wie sehr sich viele Wohnungen gleichen. Ich würde mir jetzt beispielsweise keine Monstera-Pflanze mehr kaufen, weil das gefühlt alle haben.

Hast du eine Lieblingsecke in deiner Wohnung?

Ja, den Erker. Da sitze ich morgens und trinke meinen ersten Kaffee. Okay, eigentlich ist das nicht nur mein erster, sondern auch mein einziger (lacht). Mein allerliebster Ort in der Wohnung ist und bleibt aber wohl mein Bett. Da verbringe ich ganze Tage. Wenn ich abends feiern war, liebe ich es den ganzen Sonntag im Bett zu liegen. Dann mache ich mir etwas Feines zu essen, drapiere das um mich herum und genieße die Leckereien. Zwischendurch gehe ich vielleicht in die Badewanne, schaue mir einen Film an – und lege mich dann direkt wieder ins Bett.

Gibt es etwas, das du in deiner Wohnung gern noch ändern würdest?

Ich hätte gern Lampen von Sebastian Scherer. Außerdem fehlt in der Küche noch ein Regal, das man zu machen kann – da ist gerade ein bisschen Chaos. Ich war gerade in Sydney, um eine Freundin zu besuchen. Sie ist Architektin und in ihrem Atelier habe ich ein Regal entdeckt, das genau in meine Küche passen würde. Und im Flur würde ich gern die gesamte hintere Wand verspiegeln. Ich kann mir gut vorstellen, dass das super aussieht, wenn der Flur so ewig lang wirkt. Für den Erkerbereich hätte ich gern ein Daybed. Da habe ich gerade bei Instagram etwas gesehen, das mir gefallen würde.

Wie bist du auf die Wandfarbe für deine beiden großen Zimmer gekommen?

Über eine Fotostrecke in der deutschen Vogue nach Vorbild und Stil von Marie-Antoinette. Die Bilder waren komplett in pudrig-hellen und gedeckten Tönen gehalten. Das fand ich toll. Außerdem passt es zu den Zimmern mit dem pompösen Stuck. Früher war das hier in der Ecke wohl eine Offiziers-Gegend, deshalb sehen die Räume so schön geschmückt aus.

Ich liebe es Leute einzuladen und zu kochen. Und wenn ich das mache, dann übertreibe ich es auch ganz gern.

Als wir vom Wohnzimmer in die dunkel gestrichene Küche umsiedeln, kommt das Gespräch auf das Kochen. „Ich liebe es Leute einzuladen und zu kochen. Und wenn ich das mache, dann übertreibe ich es auch ganz gern.“ An solchen Abenden macht Philipp gern Aufwendiges, wie zum Beispiel Braten.

Philipp merkt wohl, dass ihm eine Vegetarierin gegenüber sitzt und fügt hinzu: „Als ich noch in Bayern gewohnt habe, war ich zehn Jahre lang Vegetarier. Nach dem Umzug nach Berlin – als ich angefangen habe, richtig zu arbeiten – habe ich aber gemerkt, dass ich etwas brauche, das mir mehr Energie gibt. Das Erste, was ich damals gegessen habe, war ein Döner.“

Philipp ist ein Gastgeber. Ein richtig guter. Das merkt man nicht nur daran, dass er extra ein köstliches Thymian-Tomaten-Brot für uns besorgt hat, obwohl er selbst kein Gluten verträgt, sondern auch daran, dass seine Einrichtung dafür gemacht zu sein scheint, Besuch zu empfangen.

Ein Sofa lädt zum Verweilen ein, gegenüber bietet ein gemütlicher dunkelgrüner 60er-Jahre-Loungesessel Platz für ein Gegenüber. Auf dem Couchtisch stehen halb abgebrannte Kerzen, die von langen Abenden erzählen. Und um sich an dem langen Esstisch aus Teakholz eine gut gelaunte Runde beim selbstgekochten Schmaus vorzustellen, braucht es auch nicht allzu viel Fantasie. „Ich kümmere mich einfach gern um Menschen. Mein Beruf ist da natürlich genau das Richtige. Und vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass die Arbeit für mich keine richtige Arbeit ist, sondern vielmehr eine große Freude.“

Kann sein, dass Philipp sich so wunderbar um andere kümmern kann, weil er sich auch gut um sich selbst kümmert. Die verstreut umher liegenden Bücher erzählen von Lesestunden, die er allein für sich verbringt. „Ich stehe meistens früh auf, damit ich morgens noch zwei bis drei Stunden für mich habe. Dann mache ich Sport und esse in Ruhe mein Frühstück oder ich lese einfach nur die Zeitung und trinke meinen Kaffee. Diese Zeit gehört nur mir. Das brauche ich vor der Arbeit.“

Im selben Haus befindet sich Philipps Friseursalon. Vom Grundriss her genau die gleiche Wohnung wie seine privaten vier Wände – aber doch ganz anders. Die Wände sind allesamt in einem leicht glänzenden Weißton gestrichen. Die Inneneinrichtung stammt von befreundeten Architekten, deren Büro für Interior Design sich Hülle & Fülle nennt.

Gibt es eine Stadt, in der du noch gern leben würdest?

Berlin ist meine Stadt. Ich mag es hier. Berlin ist eine Stadt, in der es für jeden einen Platz gibt. Das einzige, was hier fehlt, sind die Berge. Auf einer Alm zu leben wäre die einzige Alternative!

Danke Philipp!

Fotografin: Julia Novy

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Cuir d’Ange – Wie riechen Engel, Herr Ellena?

Draußen regnet es und es herrscht eine typisch graue November-Stimmung. Trist? Ja, das ist das richtige Wort. Deshalb entführe ich Euch mit diesem Post in den Süden. Im Mai dieses Jahres wurde in Manosque, das ist ein kleiner Ort in der Nähe von Avignon, ein neuer Duft von Hermès vorgestellt. Cuir d’Ange (zu dt.: Engelsleder) ist Teil der edlen Hermessence-Linie, einer sehr persönlichen Duftlinie des Haus-Parfümeurs Jean-Claude Ellena. Es ist das zwölfte Parfüm dieser Reihe, bei der ich schon einmal an einer Präsentation teilnehmen durfte. Die Lancierung von Hermessence Düften werden immer besonders poetisch und zauberhaft inszeniert. So auch diesmal.

Wir wurden zu einem Gartentor gefahren und tauchten ein in einem Tunnel aus Jasmin:

Hermessence-Cuir-Ange-Parfum-Modepilot-MarkertHermessence-Cuir-Ange-Parfum-Modepilot-Markert Continue reading “Cuir d’Ange – Wie riechen Engel, Herr Ellena?”

Ist der Anzug wieder cool, Herr Tomasi?

Männliche Fashionistas tragen wieder Anzug. Das haben die Streetstyle-Bildern der Modewochen klar gezeigt. Selbst der Dreiteiler ist modisch aus dem Büro spaziert und zeigt sich auf der Straße. In unserer Trendprognose für den kommenden Sommer haben wir das Thema auch aufgegriffen. Kann man also von einem Revival des Anzugs sprechen?

Ob unsere Einschätzung stimmt und wie man heute am besten den Anzug stylt, wollten wir von einem Experten wissen. Marco Tomasi ist Creative Director beim Schweizer Herrenmode-Label Strellson, das seit 30 Jahren für perfekt sitzende Anzüge bekannt ist.

Marco Tomasi_2-Creative Director Strellson_2Modepilot: Herr Tomasi, sind Anzüge wieder cool? 

Marco Tomasi: Klar sind Anzüge cool!

Wie kommt’s? Die waren doch jahrelang nur fürs Büro reserviert.

Es gibt kaum ein Bekleidungsstück, das sich aktuell so facettenreich zeigt, und den Mann besser aussehen lässt.

Woran erkennt man, dass ein Anzug passt?

Einen guten Anzug muss man spüren, egal wie man ihn trägt!

Wie stylt man den Anzug modern?

Ob smart und dressy mit Hemd und Krawatte oder eher neu interpretiert mit einem Longsleeve-Shirt und Sneaker.

Auf was sollte man beim Styling achten?

Es sollte in erster Linie natürlich und selbstverständlich wirken.

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Zu Strellson:

Das Schweizer Herrenmode-Label Strellson vom Bodensee feiert in diesem Jahr sein 30. Bestehen. Gegründet wurde das Unternehmen von den Gebrüdern Uwe und Jochen Holy, den Enkelkindern von Hugo Boss. Beide hatten Boss zu dem gemacht, was es heute ist und sich nach dem Verkauf ihrer mehrheitlichen Anteile einem modischen Neuanfang gewidmet: Strellson. Die Maxime der Gründer war und ist: Beste Passform, beste Qualität und das alles zu bezahlbaren Preisen. Zum Jubiläum gibt es deshalb auch einen bezahlbaren Dreiteiler im modernen Slim-Fit-Schnitt. Das Modell Sky Evans Jr. gibt es in zwei Qualitäten, Wollgarn oder Stretch-Twill.

Fotos: PR

Exklusiv: Inès de la Fressange über dies, das & mehr

Wenn man sich bei einem Press-Junkett auf den billigen Plätzen am Ende des Tages wieder findet, gibt es zwei mögliche Szenarien: Entweder hat der Interviewte nach gefühlten 500 Interviews überhaupt keine Lust mehr und bockt. Oder man sitzt jemand total Aufgedrehtem gegenüber, der sich dem Ende bewusst ist und deshalb alle Zügel lockert.

Letzteres war der Fall bei meinem Interview-Slot mit Inès de la Fressange anlässlich ihrer zweiten Modekollektion für Uniqlo, die im Sommer in die Läden kommt. Die Pariserin wollte vor allem eines: Nicht mehr über sich sprechen und startete mit einer wirren Charme-Attacke.

Modepilot-Interbiew-exclusiv-Ines_de_la_fressange-Fashion-Blog

Aber lest selbst:

Barbara Markert alias Parisoffice: Dass wir nun bei Uniqlo Inès-de-la-Fressange-Mode kaufen können, ging durch nur, weil sie wieder die Rechte an ihrem Namen besitzen, oder?

Inès de la Fressange [leiert genervt]: Das ist tatsächlich etwas kompliziert. Der Name gehörte der Unternehmung Inès de la Fressange. Sie wurde im Juni 2013 zurückgekauft und damit hatte ich auch wieder das Recht an meinem Namen. Parallel hatte mich Uniqlo kontaktiert für eine Kollektion. Drei Monate früher wäre das gar nicht gegangen, weil ich meinem eigenen Namen gar nicht nutzen konnte.

[Eine Sprechpause setzt ein. Inès de la Fressange setzt sie sich gerade hin und beugt sich zu mir nach vorne.]

Aber viel wichtiger ist: Woher stammt ihre Bluse?

PO: COS, letzter Winter.

Inès d-l-F.: Hm. Die Farbe ist super. So was haben wir leider nicht in der Kollektion.

PO: Kommen wir also zu Ihrer Kollektion. Was sollen wir Deutschen kaufen, damit wir so pariserisch wie Sie aussehen?

Inès d.l.F.: Ihre Bluse

[A.d.R.: Ich ließ nicht locker und habe es dann doch noch raus bekommen, was man kaufen soll. Hier steht es.]

Modepilot-Interbiew-exclusiv-Ines_de_la_fressange-Fashion-Blog

PO: Die Sommerkollektion Inès de la Fressange ist nahezu ausverkauft. Aber ich habe gehört, dass Ende April noch Nachschub kommt. Was denn?

Inès d.l.F.: Ach, das ist der Part „Soufle de Parisienne“ [übersetzt so etwas wie „Der Schnaufer der Pariserin“]. Das ist Sportswear-Mode. Dabei weiß ich gar nicht, was Sport ist.

PO: Aber sie haben mir in einem anderen Interview erzählt, dass sie mit dem Boxen anfangen wollten.

Inès d.l.F.: Das stimmt und das habe ich sogar gemacht. Es ist ziemlich genial. Zuerst bekommt man solche Bänder um die Hand gebunden und dann kommen die Box-Handschuhe. Ich habe ganz Tolle aus rotem Leder. Um mich zum Sport aufzuraffen, muss ich mich stimulieren. Das einzige, was bei mir wirkt, ist ein schickes und gut aussehendes Sport-Outfit. Natürlich will ich auch nicht so eine große, schreckliche Short anziehen müssen. Ich wollte Hosen, die wie Jogginghosen sind, aber nicht so weit nach oben gehen und auch unten nicht so weit sind.

PO: Und? Kann ich so eine Hose bei Uniqlo in der Souffle-Kollektion kaufen?

Inès d.l.F.: Oh ja. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie kompliziert es ist, ein stinknormales Sport-T-Shirt zu designen. Das ist eine Wahnsinnsarbeit! Es muss aus einem angenehmen Stoff sein, gut geschnitten… und in normalen Farben. Ich verstehe gar nicht, warum beim Sport für Mädchen alles in so komischen Farben sein muss wie Rosa, Mauve, Violett, irgendwelche Pastelltöne oder „ausgedrückte Himbeere“. Das ist doch furchtbar!  Warum kann das nicht Weiß, Schwarz, Marineblau oder Cremeweiß sein? Nur weil wir Sport treiben, müssen wir uns doch nicht verkleiden? Unter uns: Ich rede hier nun so rum, weil Sportklamotten mir vor allem dazu dienen, gemütlich zuhause zu bleiben.

PO: Ok, was tragen Sie auf dem Sofa?

Inès d.l.F.: Das gibt es diese Hosen aus dem Ballett, die bequem sind und gut aussehen. Es gibt schließlich keinen Grund, hässlich auszusehen, nur weil wir zuhause rumlungern und amerikanische Serien im Fernseher gucken, bei denen wir rein gar nichts kapieren. Immerhin wohnen zuhause die Menschen, die wir mehr als alles Andere auf der Welt lieben.

 Ines 4

PO: Kommen wir zu neuen Winterkollektion. War denn von Anfang klar, dass die Kooperation zwischen Ihnen und Uniqlo in eine zweite Runde geht?

Inès d.l.F.: Ja. Wissen Sie, ich bin in dieser Kooperation das verwöhnte Kind. Naoki [Takizawa] macht alles, um mir Vergnügen zu bereiten. Ich weiß nicht, ob er das macht, weil er mich noch nicht lange kennt.  Vielleicht wird später ja unangenehm.

[Naoki Takizawa, Kreativdirektor von Uniqlo lächelt höflich.]

PO: Herr Takizawa, die bekannte Koop Uniqlo x Jil Sander dauerte mehrere Jahre. Könnten Sie sich vorstellen auch länger mit Inès zusammen zu arbeiten?

Naoki T.: Oh ja, Inès hat ständig neue Ideen und mir hat die Zusammenarbeit sehr viel Freude gemacht. Ich denke, wir könnten das ausdehnen.

Inès d.l.F.: 10 Jahre!

Naoki T.: Warum nicht? Diese Kollektion kommt von Herzen und das ist faszinierend. Wer weiß, vielleicht sollten wir über 20 Jahre nachdenken.

Inès d.l.F.: Nein, 20 Jahre – das ist zu lang! Dann sind wir ja schon richtig alt. Zwar noch am Leben, aber wir sitzen im Rollstuhl.

Naoki T.: Ist das schlimm? Mein Großvater kauft auch bei Uniqlo.

Inès d.l.F.: Siehst du, wir sollten über bessere Zugänge in den Läden für Rollstuhlfahrer und alte Leute nachdenken.

PO: Herr Takizawa, wie fühlt sich das an, mit einer typischen Französin zusammen zu arbeiten?

Naoki T.: Die Franzosen arbeiten sehr viel mit Emotionen.

Inès d.l.F. [unterbricht]: Ich denke, meine Kollektion bringt einen bisschen Frivolität in diese technisch ausgerichtete, nüchterne Linie. Ich bin hier sozusagen für den Girly Touch zuständig.

Naoki T.: Drücken wir es so aus: Wir geben dem coolen, modernen Trend des Hauses eine neue Beauty.

Inès d.l.F.: Wissen Sie, die Japaner denken immer, dass sie vernünftig und diszipliniert sind.  Aber im Grunde sind die alle ziemlich crazy. Aber natürlich dürfen sie das nicht zeigen. Also schicken sie mich vor und sagen, dass ich crazy wäre.

PO: Inwiefern?

Inès d.l.F.: Weil ich Blumen-Dekors und Muster haben wollte. Für den Winter. Blumen in Winter! Sie erlaubten mir, verrückt zu sein, aber im Grunde sind sie sehr viel verrückter als wir Franzosen. Insgeheim freuen sie sich, dass es da eine wie mich gibt, die alles das Verrückte will, was sie auch selbst wollen. Das nennt man dann den „French Touch“. Dabei ist das gar nichts typisch französisches, sondern durchaus japanisch. Nehmen wir die Drucke, die kommen teilweise aus deren Kultur. Manchmal musste ich das Japanische regelrecht aus ihnen herauslocken.

PO: Glauben Sie denn der Kunde erkennt in der Kollektion den „French Touch“ der Inès de la Fressange? Mir sagte heute eine Frau, dass sie nicht sicher sei, ob Sie in Deutschland noch bekannt wären. Die Frau ist 25 Jahre alt, die kann sie gar nicht kennen. Die ist ja viel zu jung.

Inès d.l.F.: Eben! Wir sind nämlich alt und haben graue Haare. Wir sind so alt, dass wir Karl Lagerfeld noch aus der Zeit kennen, als er sich die Haare puderte und dick war. Die jungen Leute kennen Lagerfeld nur in dünn, mit schwarzen Jeans und coolen Ringen am Finger. Wir dagegen kennen ihn aus der Zeit, als er noch Anzüge trug. Sogar Tweed-Anzüge und Krawattennadel! Wir sind so alt, dass wir Lagerfeld kannten, als er alt war. Heute ist er ja ganz jung geworden!

[Auch Naoki Takizawa, übrigens früher Art Direktor bei Issey Miyake und schon länger in der Pariser Modeszene unterwegs, muss herzlich lachen.]

Aber jetzt mal ernst: Es ist gar nicht schlimm, wenn die Leute mich nicht mehr kennen. Ich hatte meinen Ruhm, meinen Namen riesengroß in Leuchtschrift… Ich war sogar in der Letterman-Show! Das alles hatte ich schon. Dass man mir gratuliert, das brauche ich nicht mehr. Wenn die Leute meine Mode begutachten und sie dann kaufen, dann freut mich das sehr. Letzte Woche war ich im Laden und die Dame neben mir starrte nur auf die Kleider. Die nahm gar keine Notiz von mir.

Ines 3

PO: Was denken denn ihre eigenen Töchter von der Kollektion?

Inès d.l.F.: Ach, die beschweren sich ständig: „Mama, du hast uns versprochen, dass wir ganz viele Kleider haben werden. Wo sind die denn jetzt?“ Und ich antworte dann immer: „Tja, leider ausverkauft!“ Meine Tochter, sie ist 14 Jahre alt, wollte unbedingt dieses eine lange schwarze Kleid, das vorne offen ist. Für mich ist das der Stil der Anna Magnani. Meine Tochter kann diesen Filmstar aus den 50ern gar nicht kennen, aber sie wollte unbedingt dieses Kleid. Nicht die T-Shirts, nicht die Khaki-Hose, nicht die Nylon-Jacke, nein, sie wollte dieses lange, schwarze Kleid. Gestern habe ich endlich eines im Laden gefunden in XS und sofort gekauft. Man versteht das nicht. Die Jugend ist komisch. Sie haben völlig andere Ideen. Wie sollen wir wissen, was die jungen Leute mögen? Deshalb muss man auch in der Erziehung umdenken und sich ihrer Referenzen bedienen. Früher sagte man: „Lauf ordentlich, lächele!“ Heute sage ich eben: „Sei so wie Leonardo di Caprio auf Titanic.“ Das versteht sie dann.

PO: Die Kooperation mit Uniqlo ist  –  so habe ich gehört – nur der Startschuss zum Revival ihres eigenen Labels. Sie wollen laut der Presse sogar eigene Läden eröffnen. Stimmt das?

Inés d.l.F.: Oh, ja, das wünsche ich mir, es ist aber noch nicht Realität. Deshalb dachte ich mir, dass zwischenzeitlich ein Konzeptstore mit Uniqlo toll wäre. Aber davon wissen die noch nichts.

[Naoki Takizawa lächelt wieder höflich.]

Denn da gibt es doch all’ diese wunderbaren, japanischen Gadgets: die Papiersachen, die Bonbons, die Stempel und diese tollen Stifte, die wie Tipp-Ex funktionieren, aber heraus kommt ein Streifen mit lauter Mustern. Solche Sachen gibt es nur in Japan! Sie machen einen Strich und –  schwups – haben Sie lauter kleine Designs gemalt. Ganz zu schweigen von den super lustigen Kleberollen. Naoki hat mir auch ganz reizende Armbanduhren mit Hello-Kitty-Motiven mitgebracht. Das gäbe es dann alles in unserem Konzeptstore.

[Naoki Takizawa schaut Inès amüsiert an und schüttelt fragend den Kopf.]

Heute Nachmittag hatte ich noch eine andere gute Idee! Uniqlo hat mir nun bewiesen, dass sie gutes Design mit schönen Materialien zu günstigen Preisen machen können. In der Mode. Nun hätte ich gerne, dass sie das Ganze ausweiten auf eine Hotelkette. Dort gäbe es ganz feine Bettbezüge, in Weiß und aus guter Qualität. Das Dekor wäre sehr japanisch. So im Stil Zen. Aber vor allem wären die Räume gar nicht teuer, sehr sauber und schön. Wie damals in den 60ern in den Hilton Hotels, wo man wusste, dass man einen amerikanischen Standard erwarten konnte.

 

PO: Was wäre denn bei den günstigen Uniqlo Hotels Ihr Job?

Inès d.l.F.: Naoki macht die Dekoration und ich den Rest, so Handtücher und Seifen. Einen Roomservice gäbe es nicht. Aber das kümmert ja auch keinen. Nur eine Endreinigung. Das müsste reichen. Als Kunden hätten wir lauter junge Leute. Nein viel besser: kleinere, schmalere Betten sind für die Jüngeren und die großen, breiten Betten in den Suiten sind reserviert für die Alten, also für uns.

PO: Herr Takizawa, was halten Sie davon? Inès hat viele Pläne.

Naoki T.: Ja, ich weiß.

Inès d-l-F.: Sehen Sie, er hat schon genug von mir.

Modepilot-Interbiew-exclusiv-Ines_de_la_fressange-Fashion-BlogNaoki Takizawa, PO, Inès de la Fressange noch auf dem Sofa im Showroom, bald aber in der in Uniqlo Hotelkette. ;-)

Fotos: PR Uniqlo aus der Winterkollektion 2014-15