Dass Modenschauen Emotionen transportieren müssen und intensiver wahrgenommen werden, wenn ein riesiges Happening daraus gemacht wird, versteht William jedenfalls wie kein Zweiter. Nach Chinatown und dem Trip in seine 90er-Jahre-Jugend ist es nun die „FAN DYNASTY“ – ein China Restaurant so yummy your inner dragon will cry tears of joy. Die Geschichte ist so perfekt und einzigartig – und vor allem nicht mal inszeniert, denn seine Eltern sind in Hannover Besitzer eines chinesischen Restaurants, in dem William seine Kindheit verbracht hat – und dort nicht nur regelmäßig seine Hausaufgaben erledigte, sondern auch die zum Essen eintreffenden Gäste beobachtete.
Die unterschiedlichen Charaktere inspirieren ihn schliesslich zu seiner Herbst/Winterkollektion 2018/19, weshalb nicht nur klassische Models über den gestrigen Laufsteg flanieren, sondern auch elegante, wunderschöne ältere Frauen oder Herren mit Schnäuzer. Die viel diskutierte und notwendige Diversity auf dem Runway? Kein Thema für Fan. Und mit der Fan Dynasty handelt es sich im selben Atemzug um eine Hommage an seine Eltern, die aus Hongkong nach Deutschland kamen und in erster Generation das China-Restaurant eröffnete.
Was soll ich sagen? In meiner Ruhrgebietsheimat war der sonntägliche Besuch des einzigen Chinesen, „Kam to Sing“, Pflichtpogramm! Mein Papa fieberte regelrecht darauf hin, es war der einzige Restaurantbesuch in der Woche. Daher kann ich mich auch so gut daran erinnern, wie einzigartig und spannend diese Sonntage waren – immerhin war es nicht mal ansatzweise so selbstverständlich, so häufig wie heute im Restaurant zu essen, von der kulinarischen Abwechslung mal ganz abgesehen!
Als wäre Williams Geschichte also nicht schon rund genug – selbst ich schwelge bereits in meinen jugendlichen Erinnerungen – hat er vor allem eins bei all dem Tamtam nicht vergessen: die Mode.
Und die trägt stilvolle Referenzen an das China-Restaurant: Aus den typischen Glückskeksen wird die „Fortune Bag“ in selbiger Form. Aus den kitschigen Goldfischen im Glas humorvolle Gummilatschen. Aus der Schürze der Kellner ein verschiedenartig drapierbarer Latz. Vor allem aber blitzt jetzt schon ein so starker, typischer Tayloring-Look von William durch, dass man vertraut ist mit dem Glencheck-Karo, den Streifen, gebundenen Elementen an Ärmeln und Hosenbeinen sowie dem Material-Clash aus krass funkelnden Pailletten, Brokatmustern, schweren Teddy-Stoffen oder Lurex.