Closet Diary mit Tina Mia Weidmann, Gründerin von Witchlandia

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Nach dem Start von der zauberhaften Kerstin gehts diese Woche endlich weiter mit einem Closet Diary! Dieses Mal mit Tina Mia Weidmann, Gründerin von Witchlandia, einem Onlineshop für Kristalle und moderne Spiritualität. Die fleißige Journelles-Followerin wird sich vielleicht noch an die tolle Homestory von ihr erinnern. Nein? Dann geht’s hier zum Artikel.

Normalerweise würden wir hier unsere CD-Kandidatin nochmal genauer vorstellen. Doch da Mia selbst so einen tollen Text geschrieben hat, lassen wir die Kölnerin sich selbst vorstellen. Los geht’s!

„Kurz vor der Gründung von Journelles wurde ich mal auf einer Berliner Mode-Party darauf angesprochen, ob ich die Jessie Weiß bin. Bekannt genug für eine (gar nicht mal so ähnlich aussehende?) Doppelgängerin war die kleine Fashion-Biene damals. Und zehn Jahre später sitze ich da, wo Jessie einst mit dem Schreiben begann: im Belgischen Viertel in Köln. Nachdem ich Berlin 2012 für meine alte Heimat verließ, irrte ich einige Zeit in der Kölner Mode- und Interior-Branche herum, bevor ich 2019 aus Drang nach Selbstverwirklichung die Marke Witchlandia gründete. „Spiritual Wellness“ sage ich gerne dazu: Wir bieten von Kristallen bis zu Kräutern alles an, was eigentlich schon seit Jahrtausenden als Naturheilmittel bekannt ist. Meine eigene kleine Welt ist mittlerweile daraus gewachsen, mitsamt dem ersten Store, den ich im März diesen Jahres in Köln eröffnet haben. Mein Alltag als Gründerin: höchst chaotisch – aber das Outfit sitzt.“

Und wie es sitzt! Mehr gibt’s in Mias Closet Diary:

Folge Tina Mia Weidmann auf Instagram: @tina_mia

Gnadenlos verkündigt Gen-Z auf TikTok, dass man alte Leute an ihren Slim-Fit-Jeans erkennt und ich ertappe mich dabei, diesem Urteil in aller Konsequenz zu folgen. Die Hosen in meinem Kleiderschrank werden langsam aber sicher weiter, breiter und länger. Als Verfechterin von Trag-was-immer-du-willst, merke ich dennoch, wie mir wichtiger wird, nicht ganz den Zahn der Zeit zu verpassen. Jedenfalls bin ich so bei dieser – hoffentlich nicht allzu uncoolen – neuen Lieblingsjeans von Nanushka gelandet. Dazu ein Baumwoll-Body von Weekday und Disco-Schuhe von Isabel Marant.

Mit dem Ensemble drapiere ich mich an diesem Montagmorgen auf meinem Lieblingssessel vom spanischen Label OWL. Auf dem Loungesessel verbringe ich oft die ersten Stunden des Montags am Laptop, um ganz entspannt in die Woche zu starten.

Mein Outfit zusammengefasst:

Body: Weekday, Jeans: Nanushka, Schuhe: Isabel Marant (ähnlich hier)

Wenige meiner Stücke bekommen auf der Straße mehr Zurufe als dieser leuchtend gelbe Leinenrock von Ivy & Oak. So auch heute, als jemand sein Autofenster runterkurbelte, um mir ein gut gelauntes „schönes Röckche hast de da“ hinterherzurufen – well, I agree.

An heißen Tagen lässt sich der lange, klassische Schnitt mit einem knappen Bustier brechen, heute darf es ein transparentes Rippshirt aus Seide sein. Auch wenn ich den Dienstag meistens komplett am Schreibtisch verbringe, hebt ein schönes Outfit immer meine Stimmung. Unser Büro im Hinterraum des Ladens ist ein wunderschöner Altbau mit Mosaikglas und Holzvertäfelungen, den wir bei der Renovierung komplett in Pastelltönen aufarbeiten lassen haben und ich füge mich heute bestens ins Farbschema ein.

Am Nachmittag treffe ich mich mit unserer begnadeten veganen Köchin Léonie, um unser nächstes Dinner-Event zu besprechen. Ein kleiner Secret-Supper-Club gehört mittlerweile zu unseren Herzensprojekten und wir planen für den Herbst ein paar ganz besondere Abende.

Mittwoch ist der erste Tag der Woche, an dem der Witchlandia Store geöffnet hat und ich freue mich nach ein paar Bürotagen immer besonders darauf. Heute noch mehr, weil unsere neue Playlist spielt:  Jeden Monat veröffentlichen wir eine Good-Vibes-Playlist auf Spotify, die auch im Store rauf und runter läuft.

Ich trage ein absolutes Lieblingsoutfit (es tickt alle meine Boxen: comfortable, chic, color-coordinated) mit Flats von Ganni, einem lockeren Leinenmini und T-Shirt. Selbst wenn ich wie heute Basics trage: Meinen Kleiderschrank sehe ich mittlerweile weniger wie einen Vorratsschrank, an dem ich mich täglich bediene und mehr wie dein Bücherregal, dem ich immer mal wieder ein gutes Stück zusteuere. Die vier Saisons „alten“ Leopardenschühchen von Ganni sind ein perfektes Beispiel dafür, warum sich Archive Sales lohnen: Ganni bringt das Muster alle paar Jahre erneut ins Spiel und hat erst vor zwei Wochen die neue Kollektion mit ziemlich genau diesem Print vorgestellt.

Mein Outfit zusammengefasst:

T-Shirt: Les Coyotes de Paris (ähnlich hier), Rock: Lisa Marie Fernandez (ähnlich hier), Ketten: Vintage, Alighieri, Schuhe: Ganni (ähnlich hier), Tasche: Elleme (ähnlich hier)

Ein klein wenig Partylaune umhüllt all meine Donnerstage, denn abends laden wir jede Woche zu After-Work-Drinks in den Witchlandia Store ein. Nicht selten entwickelt sich das Ganze zum illustren All-Nighter, zur spontanen Tanzeinlage oder Beyonce-Listening-Party. Ich träume seit Jahren von einer Art Stammtisch für Frauen, an dem man ganz ohne Termindruck spontan teilnehmen kann und jetzt war klar: Mit dem eigenen Laden muss diese Idee endlich Realität werden. Und so werfen wir uns jeden Donnerstag in unser bestes Outfit, probieren an unserer Bar neue Weine und tauschen uns in entspannter Atmosphäre aus.

Ich schmeiße mich heute in ein Ensemble von Baum und Pferdgarten und heimse von den Mädels jede Menge Komplimente für mein Top von Norma Kamali ein (laut Net-a-Porter ist es ein Bikini-Oberteil). Um zwei Uhr nachts schließe ich den Laden ab und tapse durch die Hintertür nach oben – ich wohne über meinem Laden, was nicht nur an kaltnassen Wintermorgen, sondern auch an durchfeierten Donnerstagen ganz besonders praktisch ist.

Etwas verkatert schäle ich mich am Freitag erst gegen 11 Uhr aus dem Bett und ziehe mir etwas Gemütliches aus dem Schrank. Der übergroße Merino-Sweater von Petar Petrov ist so luxuriös und großzügig verarbeitet, dass es kaum etwas anderes braucht, um als Outfit durchzugehen.

Jetzt wird erstmal im Store aufgeräumt und in aller Ruhe Kaffee getrunken, bevor ich mich für eine kleine Pause mit einem Buch in den nahegelegenen Kölner Stadtgarten schleppe. Geht es irgendwem noch so, dass außerhalb von Strandurlauben nicht mehr genug Zeit und Aufmerksamkeit für Romane da zu sein scheint? Ich helfe mir in der Mittagspause mit Kurzgeschichten aus, die sich perfekt portionieren lassen, ohne den Faden zu verlieren. Aktuell sind es die wahnsinnig amüsanten Anekdoten von Eve Babitz, die ich wärmstens empfehlen kann. Den Nachmittag genieße ich die Ruhe im Store und bereite nebenbei ein paar Neuheiten für unseren Onlineshop vor.

Mein Outfit zusammengefasst:

Sweater: Petar Petrov (ähnlich hier), Schuhe: Edited (ähnlich hier), Tasche: Elleme (ähnlich hier), Lieblingstasse: Nave the Shop

Samstag ist immer ein ganz besonderer Tag, an dem ich mich gerne in Schale schmeiße. Ich verbringe auch diesen Tag im Laden, aber bin schon voller Vorfreude auf besonders interessante Kund*innen und Gespräche, denn am Wochenende finden sehr abwechslungsreiche Menschen zu uns.

Vom Touri-Pärchen aus Tokyo, bis zur Online-Stammkundin, die extra für uns anreist, ist alles mit dabei. Dass eine so klein bespielte Nische wie meine Lokal auf so große Resonanz stößt, war eine ziemliche Überraschung für mich. Man vergisst manchmal, dass Köln nicht nur eine Millionenstadt, sondern auch ein beliebtes Reiseziel ist – und dass mein kleiner Store auf der Route für Touristen steht, freut mich ganz besonders. Zur Feier des Samstages wird der Leinenrock von Jacquemus und ein Strickbody von Calle del Mar herausgeholt. Dazu kombiniere ich ein buntes Edelstein-Collier aus unserer eigenen Kollektion.

Später schlendere ich, wie fast jeden Samstag, mit meinem Freund stundenlang durch die Viertel. So endet dieser Abend nicht selten in einer Bar irgendwo zwischen Ehrenfeld und Südstadt und ich wechsle für den ausgedehnten Fussweg vorsorglich zu flachen Sandalen.

Sonntage sind noch so viel schöner, seit sie mein einziger freier Tag in der Woche sind. Also: Ab in den Park, ein gutes Buch lesen und Pizza auf der Parkmauer essen. Abends ist noch genug Zeit, um essen zu gehen oder sich mit einer Flasche Wein auf den Kirchplatz zu setzen. Ein perfekter letzter Sommerabend.

Als Waage wie sie im Buche steht (na, wer hätte es erraten können?) ist ein freier Tag ein umso besserer Grund, sich ein gutes Outfit anzuziehen und ich greife zum sehr bequemen aber auch sehr coolen Set von Frankie Shop, das diese Saison irgendwie überall zu sehen war. Ich habe die Kombi aus Shorts und Oversized-Jacke auf Vinted ergattert, Frankie Shop hat es aber mittlerweile für die aktuelle Saison neu aufgelegt. Dazu trage ich ein altes Lieblingsshirt von Witchlandia, das wir mal als Limited Edition herausgebracht haben.

Dankeschön nochmal, dass du dabei warst, liebe Tina! Es war uns eine besondere Freude.


Von Alexandra

Schreiben sollte mir eigentlich leicht fallen, könnte man meinen. Doch wenn es darum geht, etwas über mich selbst zu erzählen, bin ich – ja sagen wir mal – überfordert. Wo fange ich an? Ich habe bei Journelles als Praktikantin angefangen. Danach ging es weiter in die Moderedaktion vom Tagesspiegel und dann wieder zurück an die Uni und dann wieder zurück zu Journelles 😉

Ich mag Mode und Beauty: Ich liebe neue Trends, spannende Outfits und (zugegeben) auch etwas Shopping. Doch fast noch mehr mag ich es, Mode als Phänomen zu betrachten: Wieso gibt es diesen Trend? Woher kommt er? Welchen Einfluss hat die Politik oder Gesellschaft auf die Mode? Und umgekehrt! Ebenso finde ich es spannend, über großartige Frauen und ihre noch so unterschiedliche Errungenschaften zu berichten, sie kennenzulernen, von ihnen zu lernen …

Wenn ihr meine Texte lesen solltet: Dankeschön! Es gibt nichts Schöneres, als zu wissen, dass meine Artikel gelesen werden. Und bitte seid gnädig mit mir, wenn ich Fehler mache. Ich lerne noch … das wird sich wohl auch nie ändern 😉


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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.