Ein (un)entspannter Umgang mit Sexualität

“Ich glaube, ich bin neidisch auf dich, weil du deine Sexualität so unbedarft erkunden konntest. Das konnte ich nie.”

Bäm. Ein Satz, der beim Aussprechen weh tat, als ich ihn zu David sagte. Diesen Moment in der Paartherapie habe ich wirklich nicht kommen sehen.

Denn die Erkenntnis, die mit diesem Satz einherging, überraschte mich, weil sie so unerwartet kam und mein Bild über mich selbst komplett in Frage stellte.

“Können wir machen, wenn du das möchtest” und “Ja, lass uns das probieren” waren typische Sätze von mir, wenn es um Sex ging.

Auf keinen Fall wollte ich die verklemmte Freundin sein, mit der man seine Wünsche nicht ausleben kann. Stattdessen dachte immer ich sei total offen und entspannt mit meiner Sexualität. Und scheinbar war mir das so wichtig, dass ich Gleichgültigkeit mit Offenheit verwechselte.

Es war nämlich nicht so, dass ich von mir aus sonderlich offen oder neugierig war, sondern ich war kalkuliert. Ich habe zum ersten Mal erkannt, dass bei meiner eigenen Sexualität nicht mein Spaß im Vordergrund stand (wie ich bis dahin immer dachte), sondern der Zweck.

Sex war nämlich auch immer ein Machtinstrument für mich. Ein Mittel, um mein Ziel zu erreichen. Sei es, um meinen Partner glücklich zu machen, damit er mich nicht verlässt oder um eine intensivere Beziehung zu mir aufzubauen. Ein bisschen wie ein Tauschgeschäft: ich schenke dir guten Sex und dafür bleibst du bei mir.

Der springende Punkt ist: es ging nicht um mich und meine Bedürfnisse, sondern die meines Gegenübers und auch darum diese (auch in meinem eigenen Interesse) zu befriedigen. Das bedeutet nicht, dass ich keinen Spaß hatte, nur dass Spaß nicht an oberster Stelle stand. Und irgendwie war das so selbstverständlich für mich, dass ich nicht weiter darüber nachdachte.

Als mich diese Erkenntnis dann wie ein Schlag traf, habe ich mich schrecklich geschämt.

Ist das nicht manipulativ und anrüchig?

Irgendwie schon. Und irgendwie habe ich mich auch gleichzeitig gefragt, ob ich jemals eine andere Wahl hatte. Ich bin oft über meine Grenzen gegangen oder besser: gegangen worden, dass ich gar nicht so genau weiss, wo meine Grenzen tatsächlich liegen.

Wo hört die Lust auf und beginnt die Gleichgültigkeit?

In welchen Situationen war mein Körper mehr ein Instrument, das ich benutzte um Bindung herzustellen?

Was gefiel mir persönlich und was habe ich gemacht um Bedürfnisse zu bedienen, die gar nicht meine sind?

Und ist es vielleicht gar nicht so normal, irgendwann einfach Busfahrpläne im Kopf durchzugehen, wenn der Sex schlecht ist, statt es einfach abzubrechen, weil man keine Lust mehr empfindet?

Ich habe mich vorher gar nicht getraut mir diese Fragen ersthaft zu stellen. Um ehrlich zu sein, will ich sie mir bis heute nicht beantworten, weil die Antworten darauf so frustrierend sind.

Und das sind sie vermutlich nicht nur bei mir, denn ich könnte mir vorstellen, dass ich mit dieser Herausforderung nicht alleine bin.

Denn: Sex ist für uns Frauen erstmal prinzipiell gefährlich oder zumindest viel gefährlicher als für Männer.

In der Umgebung in der ich aufgewachsen bin, wurde Sex für Frau extrem stigmatisiert. Einfach nur Spaß an der Sache? Schon bekommt man einen Stempel aufgedrückt. Viele Partner? Stempel. Ungewöhnlichere Experimente? Stempel.

Der Preis für ein freies Erkunden seiner Sexualität schien mir zu hoch.

Doch es waren nicht nur die Stempel und die damit einhergehenden Stigmata, sondern es ist de facto gefährlich. Jeden Tag gibt es in Deutschland einen polizeilich registrierten Tötungsversuch an einer Frau, der meist vom Partner ausgeht. Sich also auf einen Mann einzulassen, kann also im schlimmsten Fall lebensgefährlich sein.

Klar, die Wahrscheinlichkeit ist nicht so hoch, aber die meisten Frauen haben dennoch ein Bewusstsein für diese Gefahr und möglicherweise fühlen sich viele deswegen nicht so frei in ihrer sexuellen Entfaltung wie Männer.

Sprechen wir also erneut von einem strukturellen Problem, das im Kern aus unserer patriarchalen Gesellschaft entstanden ist?

Ist mir deswegen die Kontrolle so wichtig?

Um dem Gefühl der Ohnmacht etwas entgegensetzen zu können?

Doch es gibt noch einen weiteren Faktor:

Denn da ist da noch die Kultur mit der ich aufgewachsen bin. Ich kann nicht sagen, ob das allgemein ein Ding ist oder ob es nur auf mich zutrifft, aber aufgrund meiner kulturellen Prägung sehe ich zwei Probleme.

Als Frau mit osteuropäischen Wurzeln begegnete ich vielen Klischees, die sich auf Sex mit Osteuropäerinnen bezogen. Ich bin mit dieser Fetischisierung schon früh in Kontakt gekommen, denn sobald sich meine Wurzeln offenbarten, begegnete ich einer Erwartungshaltung wie zB. „Gut im Bett“ und „versaut“ und „leicht zu haben“. Die Motivation mit mir zu schlafen hat sich in dem Moment merklich erhöht.

Aber woher kommt das?

Ich habe mal eine ganz gute Erklärung dafür gelesen. Nach dem Zerfall der UdSSR wurden das Bild der osteuropäische Frauen mit Sexarbeit verknüpft. Das lag nicht zuletzt am (illegalen) Sexhandel, der Frauen aus Osteuropa weltweit zu Sexobjekten machte. Da sind diese Frauenvermittlungsagenturen noch die harmloseste Variante. Sendungen wie „Traumfrau gesucht“, wo Incels ihr Glück in Osteuropa versuchten, taten ihr Übriges um diese ekelhaften Klischees zu befeuern.

Diese Objektifizierung prallte auf meine Naivität und hinterließ viele Narben auf meiner Seele. Wenn Männer dich nicht wie einen Menschen mit Gefühlen behandeln, sondern dich benutzen, wird Sex automatisch zum Mittel.

Gleichzeitig bin ich mit Glaubenssätzen aufgewachsen, die mich denken ließen, dass ich mir als Frau besonders viel Mühe geben sollte, um einen Mann zu halten. So als würde er bei der erstbesten Gelegenheit weglaufen, wenn ich nicht eine erfolgreiche, kluge, schöne und sportliche Sex-Granate bin. Bei meiner Männerwahl hingegen sollte ich nicht zu wählerisch sein. Männer, die halbwegs zurechnungsfähig sind und ihre Frauen nicht schlagen, galten in meiner Wahrnehmung bereits als Jackpot. Diese Glaubenssätze habe ich von einer Nachkriegsgeneration übernommen, in der bis heute die Balance aus Männern und Frauen in der Gesellschaft unausgeglichen ist.

Schlechte Vorraussetzungen also, um unbedarft seine Sexualität zu erkunden.

Leider kann man die Zeit nicht zurückdrehen und alte Erfahrungen rückgängig machen. Aber man kann Neue schaffen. Und vielleicht habe ich durch diese Erkenntnis den ersten Schritt auf dem Weg einer aufregenden Erkundungsreise bereits getan.*

*Dieser Text ist kein Aufforderung für zwielichtige Angebote und Dickpics.

Produktiv bleiben: So funktioniert effizientes Lernen und Arbeiten im Home Office (Teil 1)

Bereits seit etwa zehn Jahren arbeite ich aus dem Home Office an den Dingen, die täglich anfallen, schreibe E-Mails, plane und setze neue Projekte um, schreibe an diesem Blog, um nur ein paar Dinge zu nennen. Das lief meistens, jedoch nicht immer gut. Ich brauchte Zeit, um mich daran zu gewöhnen, dass ich zu Hause nicht nur entspanne, die Wäsche mache, kurz die Spülmaschine ausräume und mit den Katzen spiele. Es brauchte Zeit, bis ich Routinen in meinen Alltag integriert habe, die ein fokussiertes und effizientes Arbeiten ermöglichen. Durch die Arbeit meines Freundes David an der App Flowlab, die sich zum Ziel macht die mentale und emotionale Fitness zu erhöhen – sowie durch den Lockdown, der die Abwechslung, die ich manchmal in Cafés gesucht habe, unmöglich gemacht hat, habe ich nochmal einiges dazugelernt. Mit dem neuen Jahr möchte ich deshalb eine neue Mini-Serie auf diesem Blog einführen. In ‘Produktiv bleiben’ möchte ich meine Tipps und Erfahrungen teilen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe, aber auch Konzepte von Experten vorstellen. Beginnen wir mit einem Thema, das aktueller wohl nicht sein könnte: Dem Home Office – und wie ihr auch in den eigenen, oftmals so eng scheinenden Wänden effizient arbeiten und lernen könnt.


Die Basics

Der feste Arbeitsbereich

Zunächst schauen wir auf die Rahmenbedingungen. Ein Faktor, der essenziell dazu beigetragen hat, dass ich mich zu Hause auch wirklich wie in einem Office fühle, war ein fester Arbeitsbereich. Früher lungerte ich mal im Bett mit dem Laptop auf den Knien, mal in der Küche oder auf dem Balkon herum. Mittlerweile habe ich schon seit längerem einen Schreibtisch und wenn ich mich daran setze, weiß ich: Jetzt wird gearbeitet. Wer bisher in einem Großraumbüro arbeitete und keinen Platz für einen eigenen Schreibtisch hat, kann natürlich auch am Küchentisch oder im Esszimmer einen Arbeitsplatz aufbauen. Wichtig ist es nur, dass dieser fest ist, ihr euch dort wohl fühlt, nicht etwa die Sonne mittags auf den Bildschirm scheint, ihr einen bequemen Sitzplatz habt und euch schlicht wohl fühlt. Falls ihr neu im Home Office seid: Manchmal dauert es, manchmal erfordert es auch ein wenig Umstellen und Umdenken, bevor der Arbeitsbereich gefunden ist. Das ist natürlich okay – aber wer effizienter arbeiten möchte, sollte mit diesem Finden beginnen.


Feste Arbeits- und Schlafzeiten

Ebenso wichtig ist es, dass ihr einen festen Schlaf- und Arbeits-Rhythmus habt. Das bedeutet vor allem: Kein Laptop mit ins Bett. Diese Regel gilt in unserem Haushalt schon länger und seither geht es uns, nicht nur in der Beziehung, sondern auch in unserem Arbeiten besser. Denn, wenn ihr wisst, dass ihr um 17 Uhr fertig werden wollt, arbeitet ihr deutlich konzentrierter als wenn ihr das Arbeiten aufschiebt und denkt: Ach, die E-Mail schreibe ich noch schnell im Bett oder nach dem Abendessen. Insbesondere, wenn man seine Arbeit teilweise mit Kollegen abstimmen muss.

Natürlich ist manchmal so viel zu tun, dass das schwer fällt – und wer Kinder zu Hause hat, wird häufig unterbrochen oder muss etwas dazwischenschieben. Trotzdem kann es helfen, diese ‘Deadline’ und Regel im Kopf zu haben.

Unterstützende Programme

Heute gibt es eine Reihe an Programmen, die dieses Phänomen erkannt haben und die dabei unterstützen, bestimmte Routinen zu etablieren – und vor allem, den Überblick nicht zu verlieren. Bei Trello könnt ihr morgens (oder abends) eine To-Do-Liste anlegen, die auch im Team verwendet werden kann. Dort tragt ihr einfach eure Aufgaben für den Tag ein und immer wenn ihr eine dieser Aufgaben erledigt habt, schiebt ihr sie in den ‘Erledigt’-Ordner. Über Slack könnt ihr kurze Fragen mit KollegInnen klären, sodass ihr nicht zu lange an einer Aufgabe sitzt, weil ihr nicht wisst, wie ihr weitermachen sollt. Flow Lab unterstützt euch dabei, mental und emotional fitter zu sein. Mithilfe eines auf euch zugeschnittenen Wochenplans lernt man mithilfe der App, auch in stressigen Situationen und unter hohem Leistungsdruck zu funktionieren. 

Routinen und Rituale etablieren

Letztens habe ich eine Beobachtung gemacht – und zwar die, dass ich immer dann schlecht aus dem Bett komme, wenn ich nicht weiß, was ich als Erstes machen soll. Erst der Kaffee oder duschen gehen, sofort an den Rechner und die wichtigsten E-Mails beantworten, etwas Frühstücken und dann mit dem Arbeiten beginnen? Seit ich das erkannt habe, sind feste Routinen Bestandteil meines Alltags, die mich hin und wieder retten, wenn ich wirklich gar keine Motivation habe. Denn dann beginnt ein Automatismus am Morgen, an den ich mich einfach gewöhnt habe und so fällt es mir leichter, einfach anzufangen. Diesen Automatismus haben wir bei Routine-Aufgaben, wie dem Zähne putzen ja bereits erreicht. Meistens ist es so, dass ich morgens aufstehe, und erstmal einen Kaffee mache, den ich im Bett trinke, während ich versuche mich zu sortieren. Erst danach setze ich mich an meinen Arbeitsplatz und beginne mit den wichtigsten Dingen auf meiner To-Do-Liste. Die Frage, was ich zuerst machen soll, stellt sich meiner müden Person morgens also gar nicht. Außerdem:

Routinen machen glücklich – ja, wirklich.

Im Interview mit RP Online, berichtet Alexandra Mieter vom Berufsverband Deutscher Psychologen, dass wir durch Routinen Zeit und Energie sparen, da nicht jeder Schritt Nachdenken und somit Anstrengung erfordert und Sicherheit vermittelt.

Der richtige (und individuelle) Zeitpunkt

Kennt ihr das, wenn KollegInnen euch erzählen, wie sie immer bis tief in der Nacht an einer Task sitzen, während ihr eigentlich nur in den frühen Morgenstunden funktioniert und gegen Abend nur noch ein Anteil der Energie vom Morgen übrig geblieben ist? Sicherlich kennt ihr auch die Begriffe ‘Frühaufsteher’ oder ‘Nachteule.’ Diese kommen daher, dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Biorhythmus hat, den er selbst für sich herausfinden muss. Daher gibt es hier kein festes Regelwerk und auch keine festen Zeiten, auf die ihr euch stützen könnt. Findet heraus, was für euch am besten funktioniert.

Seid ihr direkt morgens produktiv oder erst nach dem Lunch?

Wann ist der Widerstand gegen die lange To-Do-Liste am geringsten? Teilt die Aufgaben, die weniger oder mehr Konzentration erfordern nach euren individuellen Produktivitätsmomenten auf.

Zwar wird gesagt, dass der Cortisol-Spiegel in den ersten Stunden nach dem Aufstehen am höchsten ist, weshalb es sinnvoll ist, bereits früh am morgen etwas zu machen – aber ich persönlich beispielsweise, mache mir meist morgens verschlafen einen Kaffe, lege mich wieder hin und lese die Nachrichten des Tages, um in den Tag zu starten. Nichts hasse ich mehr, als einen stressigen Start in den Tag! Die sog. REFA Kurve ist die individuelle Leistungskurve – und die muss jeder ganz allein für sch herausfinden. Trotzdem kann es helfen, sich mit FreundInnen oder Kolleginnen auszutauschen – vielleicht funktioniert ja eines ihrer Rituale auch für euch. 

Nachdem ich meinen Kaffee getrunken und die wichtigsten News gelesen habe, startet mein Tag oft nach dem Eat the Frog Prinzip. Dies beruht darauf, dass man die ekelhafteste Aufgabe, also die, auf die man wirklich gar keine Lust hat und die einem so ein ungutes Gefühl gibt, sofort erledigt. Dann ist sie weg und mit ihr die Unruhe – so könnt ihr euch entspannt auf die restlichen To-Dos fokussieren. Und ‘the Frog’ wird auch nicht auf die kommenden Tage aufgeschoben.

Mehr Fokus

Kaum habt ihr mit einer Aufgabe angefangen, trudeln schon die ersten E-Mails ein. Ob es nun Arbeits-Mails sind, Benachrichtigungen darüber, dass das Produkt das ihr so lange haben wolltet, wieder auf Lager ist oder eine Pressemitteilung – ihr unterbrecht eure Arbeit um ‘nur mal schnell zu gucken’ oder ‘schnell zu antworten, dann ist das auch erledigt.’ Oftmals führt es dazu, dass ihr gar nicht mehr wisst, was ihr da eigentlich gerade angefangen habt zu machen, an welcher Aufgabe ihr gerade ursprünglich gearbeitet habt. Zumindest jedoch ist man nicht mehr konzentriert, aus dem Flow und es fällt schwer, ‘zurückzukehren.’ Für dieses Problem gibt es tatsächlich ganz praktische Lösungen. Wenn ihr für eure Aufgaben etwas im Internet suchen müsst, macht die Webseiten-Blocker an, um gegen diese Ablenkung anzugehen. Schaltet jegliche Push Notifications aus. Wenn ihr das Internet nicht braucht, sondern euch beispielsweise auf einen Text konzentrieren müsst,  macht das WLAN aus, damit die ablenkenden E-Mails gar nicht erst bei euch ankommen. Falls ihr nicht alleine zuHause arbeitet oder lernt, setzt euch Kopfhörer auf oder sagt eurem Freund, eurer Freundin, dass ihr jetzt nicht sprechen könnt. Wenn möglich, geht für diese bestimmte Aufgabe in einen anderen Raum oder sucht euch einen Arbeitsbereich, an dem ihr möglichst nicht abgelenkt werdet. 

Falls euer Fokus trotzdem nicht erhalten bleibt, gibt es noch das Timeboxing-Prinzip: Das basiert darauf, dass ihr euch einen bestimmten Zeitblock reserviert – das kann eine Stunde, mehrere Stunden oder ein ganzer Tag sein – und dass am Ende dieser Zeit, die Aufgabe der ihr euch widmet, erledigt werden soll. Denn man braucht immer so viel Zeit, wie man sich nimmt. Wenn man das versteht, begreift man auch die Wichtigkeit von Deadlines. Wenn ihr selbständig seid oder eure Chefin/euer Chef locker ist, setzt sie euch selbst. Denn sonst sitzt ihr entweder zu lange an einer Aufgabe oder ihr schiebt sie ewig vor euch her. Meist ist es nämlich wichtiger, die Aufgabe zu erledigen, statt sie perfekt einzureichen. Deswegen ist es besonders wichtig, sich bestimmte Zeitblöcke für bestimmte Aufgaben einzuteilen. Denn: Die letzten 20% bis eine Aufgabe erledigt ist, nimmt meist genauso viel Zeit und Mühe, wie die ersten 80%.Ich persönlich bevorzuge es, meinen Tag in einzelne Stunden aufzuteilen und abwechselnd jede Stunde Brain bzw. Brain-free Work zu erledigen. So ist der Zeitraum, in dem ich konzentriert sein muss, absehbar und begrenzt und das hilft mir, die Aufgabe motiviert anzugehen. 

Eine ähnliche Methode ist die Pomodoro-Technik, bei der man in Intervallen arbeitet. Ihr stellt euch einen Wecker für 20 Minuten. In diesen 20 Minuten arbeitet ihr durchgehend und konzentriert. Danach nehmt ihr euch fünf Minuten Pause um euch einmal zu strecken, euch einen Kaffee zu holen oder eine Runde durch die Wohnung zu laufen – danach stellt ihr euch wieder einen Wecker für in 20 Minuten. Nach 4 Runden macht ihr dann eine längere Pause. Durch diese kurze, gesetzte Zeitspanne fällt das Arbeiten einem oftmals leichter, weil das Ende bereits in Sicht ist. Diese Form des Arbeiten sorgt für eine höhere Konzentration in den 20-Minuten Intervallen.Die richtige To-Do-Liste Seit ich selbständig bin, kann ich mir meine Tage nicht mehr ohne To-Do-Listen vorstellen. Ob in einem Kalender per Hand geschrieben oder in einem Tool auf dem Laptop – für mich sind diese Listen essenziell, um Stress und Überforderung zu vermeiden, den Überblick zu behalten und Struktur in meinen Tag zu bringen. Denn mit einer To-Do-Liste verschaffe ich mir einen Überblick und habe die Kontrolle. Ich sortiere meine Listen meist nach Priorität. Ganz oben sind also die Punkte, die entweder wegen einer nahenden Deadline wichtig sind zu bearbeiten – oder eben ‘The Frog’, die Dinge also, auf die ich so gar keine Lust habe und ich deshalb möglichst in der ersten Hälfte des Tages erledigt haben möchte. Wer sich nach einem festen Prinzip bei der Gestaltung der To-Do-Liste richten will, um diese zur Routine zu machen, kann zum Beispiel mit der 1-3-5 Regel beginnen. Hier setzt man sich eine größere Aufgabe für die ganze Woche, drei mittlere und fünf kleinere für jeden Tag. Die drei Aufgaben sind dann zB. Dinge, die du zum Erreichen der großen Aufgabe benötigst und fünf Aufgaben, die man nebenher erledigen kann. 

Zudem gibt es noch das 25.000 USD-Prinzip. Diese garantiert leider keine großen Gewinne, denn das Prinzip wurde nach der Summe benannt, die der Unternehmer Charles Michael Schwab dem Erfinder Irving Lee überwies, als dieser ihm einen effektiven Zeitmanagement-Plan für seine Firma entwickelte. Die Methode funktioniert so, dass man sich täglich die wichtigsten Aufgaben aufschreibt, die man in den nächsten Tagen erledigen will. Anschließend ordnet man diese nach Priorität und fragt sich, welche der aufgeschriebenen Dinge die ist, die man in jedem Fall erledigen möchte. Diese sollte man nun in kleinere Aufgaben aufteilen, die jeweils höchstens 20 Minuten dauern. Am nächsten Morgen dann, sollte man mit der wichtigsten Aufgabe beginnen und die Liste Schritt für Schritt abarbeiten. Ist diese erledigt, nimmt man sich diese Liste erneut vor: Welche ist nun die wichtigste Aufgabe mit der höchsten Priorität? Sind vielleicht Aufgaben dazugekommen? (E-Mail, die im Laufe des Tages eingetroffen ist und beantwortet werden sollte) Schließlich macht man so weiter wie bisher und fängt mit der neuen, wichtigsten Aufgabe an. Übrigens kann ich euch hier die kostenlose Lee App empfehlen, die das Prinzip aufgreift. 

Ich hoffe, das war informativ für euch. Weiter geht es dann im zweiten Teil. 

2021 – Neues Jahr, Alte Vorsätze


2020 war nicht mein bestes Jahr, es war ziemlich nervig und fühlt sich vor allem im Rückblick verschenkt an, doch es hat mich immerhin Dankbarkeit gelehrt für Dinge, die ich bisher für selbstverständlich hielt.

Gesundheit, Wohlstand, aber eben auch Zuneigung und Aufmerksamkeit.

Es ist der erste Tag im neuen Jahr und ich glaube, der 1. Januar war für mich noch nie so bedeutungsvoll wie in diesem Jahr. Mich überkommt ein Gefühl von Leichtigkeit, von Motivation und es fühlt sich wirklich an, wie ein echter Neustart. Ich habe wirklich Bock aufs Neue Jahr. Dieses Gefühl überrascht mich, fühlt sich fremd und vertraut an und gut. Es fühlt sich richtig gut an. Zumindest noch heute, also beschließe ich, dieses Gefühl einzufangen und festzuhalten, sodass es mir als Erinnerung dient, wenn die Tage wieder weniger rosig scheinen.

Als jemand, der viel und vor allem gerne im Mittelpunkt steht, bestand für mich die Herausforderung daraus, die Stille und das Ausbleiben von sozialen Interaktionen auszuhalten. Ich bin zwar sonst jemand, der gut mit Stress, Druck und Trubel umgehen kann, doch mir war nicht bewusst, wie sehr ich die Bewegung um mich herum auch als Antrieb brauche. Wie viel Kraft ich aus Begegnungen schaffe und vor allem, dass ich zu meiner Bestform auflaufe, wenn anderen bereits die Puste ausgeht.

Doch Stillstand und oder Seitwärtsbewegung bringen mich genauso zur Verzweiflung wie zu viel Stress und zu wenig Schlaf. Es fühlt sich dann ein bisschen so an, als würde ich in einem kleinen Stall mit den Hufen scharren, kämpfen, doch es bewegt sich nichts. Diese Begrenzung an Möglichkeiten hat mich in diesem Jahr mehr frustriert, als ich es erwartet hätte, obgleich es auch wirklich notwendig war, dass ich mir nach Jahren des Gasgebens eine, wenn auch notgezwungene Pause nehme und endlich auch mal etwas in Angriff nehme, vor der ich jahrelang weggelaufen bin: Mir selbst.

Ich habe mich einfach mal mit mir selbst beschäftigt.

Ich weiss jetzt viel besser, wer ich bin und was ich im Stande zu leisten bereit und fähig bin und woraus ich unerschöpfliche Kraft ziehen kann. Ich weiss jetzt aber auch, dass ich meine Energie künftig in eine andere Richtung lenken will. Ich will Neues ausprobieren, zu Altem zurückfinden und die richtige Balance finden. Die habe ich zwar noch immer nicht ganz gefunden, aber ich glaube durch die Extreme der letzten Jahre in die eine, so wie jetzt auch in die andere Richtung bin ich zumindest näher dran zu verstehen, wie diese in Zukunft für mich aussehen könnte. Und wie geil es eigentlich ist, ausgeschlafen zu sein.

Trotzdem fällt es mir (noch) schwer, wirklich dankbar für dieses Jahr und all die dazugehörigen Erfahrungen zu sein. Wenn ich zurückblicke, dass sehe ich verschenktes Potenzial, verpasste Chancen und viele emotionale Ausbrüche. Die haben mich allerdings auch einen neuen Umgang mit mir selbst gelehrt:

Doch auch hier habe ich was gelernt: mein Bedürfnis zu weinen nicht mehr zu unterdrücken. Wenn ich Weinen musste, so absurd der Grund auch war, habe ich geweint. Ich habe es einfach fließen lassen und eigentlich immer, hat es dazu geführt, dass ich mich besser gefühlt habe, leichter.

Warum schämen wir uns für unsere Tränen?

Warum gilt es als Schwäche zu weinen?

Mir haben meine Tränen vor allem geholfen inneren Druck abzubauen und spätestens nach diesem Jahr sehe ich es nicht mehr ein, sie weiter in mir zurückzuhalten. Doch das ist nicht die einzige Sache, die ich über mich und meine Stärken und Schwächen gelernt habe:

  • Ich habe gelernt besser auf mein Bauchgefühl zu hören.
  • Ich habe gelernt, dass gezwungenes „Positiv-sein“ in meinem Fall sich oft auch toxisch angefühlt hat.
  • Ich habe gelernt, Stimmungen ihren Raum zu geben, loszulassen und weniger zu erzwingen.
  • Ich habe gelernt, meinen Instinkten und Gefühlen dafür mehr zu vertrauen.

Dieses Vertrauen in mich ist auch das, was mich in Zeiten des Zweifels durch das Jahr gebracht hat, auch wenn ich in diesem Lernprozess noch ganz am Anfang stehe.

Und wisst ihr, was mich sonst noch glücklich macht?

Ich spüre, wie alles langsam wieder in einen Fluss kommt. In letzter Zeit konnte ich mich kaum für etwas motivieren, starrte auf weißes Papier, zweifelte an meinen kreativen Fähigkeiten und fühlte mich von innen leer. Doch ich spüre, wie die Blockade bricht und alles wieder in einen natürlich Fluss kommt. Ich habe sogar Lust mich wieder anständig zu kleiden!

Die Frage ist:

Was wünsche ich mir für das nächste Jahr?

Ich wünsche mir wieder eine Aufgabe, in der ich voll aufgehen kann. Ich will wieder mit vollem Herzen bei etwas sein und dafür brennen. Ich will vorankommen, meine Energie sinnvoll nutzen und eine gute Balance aus Gemeinschaftssinn und gesundem Egoismus finden. Und ich will meine Freunde wieder häufiger in den Arm nehmen.

Welchen Vorsatz ich mir in diesem Jahr jedenfalls nicht mehr stelle: Abnehmen. Die toxischen Beziehung zu meinem eigenen Körper habe ich im Jahr 2021 ganz klar hinter mir gelassen.