Tag Archives: uncategorized

Hermès: der diskrete Designerwechsel

Nadège Vanhee-Cybulski hat ihre erste Hermès-Kollektion abgeliefert und damit eine würdige Nachfolge vom gefeierten Christophe Lemaire angetreten.

Wenige Tage nach der Schau hörte ich so manche Stimmen, die meinten: “Was für eine langweilige Show!” Tatsächlich sieht die Kollektion auf den Bildern sehr klassisch aus, aber genau damit ist Nadège Vanhee-Cybulski  – meiner Meinung nach  – eine Punktlandung geglückt. Das Thema ihrer Debütkollektion ist klar : Hermès Heritage.  Die Show fand in einer Reithalle statt, konkret der republikanischen Wache genannt Manège des Célestins. Reiten und Hermès das gehört nunmal zusammen wie Baguette und Butter.

hermes_aw15_0085

To watch: Leroy, Charlier, Wijnants und Each x Other

Kleine Shows ziehen oft wenig das Medieninteresse auf sich, aber gerade hier verstecken sich oft echte modische Perlen der Saison. Diese vier Designhäuser verdienen unser Interesse allemal und bestätigen ihren Statur als Label to watch bzw. Upcoming Stars.

1. Cédric Charlier

Der Belgier, der in Brüssel an der Hochschule der Künste studierte und der Öffentlichkeit dank seines leider kurzen Jobs bei Cacharel bekannt wurde, geht seit der Selbstsändigkeit behende seinen Weg weiter. Und wird immer besser, was er mit dieser Kollektion für den kommenden Winter beweist. Die Sachen sind tragbar und stilvoll.

cedric_charlier_aw15_0553

Escada. Eine Katastrophe?

„Kommst du mit zur Escada-Show?“, fragte Kathrin. –„Hm. Aber nur wenn ich schreiben darf, was ich denke“. – „Klar“.

Also fuhr ich am Mittwoch mit geringen Erwartungen und einem festen Bild im Kopf zur königlichen Porzellan-Manufaktur Nymphenburg im Nymphenburger Schloss in München, um mir die Escada Kollektion Herbst/Winter 2014/15 und eine Capsule Collection mit Nymphenburg anzuschauen. Rosafarbene Ballons wiesen den Weg in herrschaftliche Räume mit großzügigen Flügeltüren, opulenten Kronleuchtern und – natürlich – Nymphenburger Porzellan. Ich rechnete mit einer Katastrophe – bisher konnte ich mit der Mode des börsennotierten Modehauses aus Aschheim so gar nichts anfangen. Altbackene Schnitte und überladene Prints prägten meinen Eindruck von Escada.

Designer Daniel Wingate krempelte mit dieser Kollektion meine Ansicht um.

Escada Herbst/Winter 2015

Die Kollektion in einem Satz: 70er Jahre meets Lady Chic

Die Looks: Die knackig geschnittenen Boot Cut-Hosen mit bodenlangem Schlag zu kastigen Kurzjacken in intensiven Farben oder rauchigen Pastelltönen wirken durch das Styling extracool: Zarte Foulards, die um den Hals geknotet werden, kombiniert mit einem glitzernden, breiten Kropfband. Neben den maskulinen Hosenanzügen zeigt Escada natürlich auch Glamour, aber mit geschickten Brüchen. Dekorative Schmucksteine als Knöpfe nehmen Blazern die Strenge. Mit Brokat veredelte Kleider werden zu lässig gewickelten Strickjacken kombiniert. Fließende, hochgeschlossene Neckholderkleider entfalten erst bei Anblick auf die geschlitzte Rückensicht ihre Pracht.

Location: Nymphenburger Schloss

High-Light: Das Styling. Neben den schon erwähnten Foulards hat mir die Idee sehr gut gefallen, Knöpfe durch simple, schwarze Bänder zu ersetzen. Als Stylistin war übrigens Veronika Heilbronner engagiert, die bei Escada als “ehemalige Harper’s Bazaar-Redaktuerin” bezeichnet wird – scheinbar gibt es also einen weiteren Wechsel in der Redaktion des Luxus-Magazins.

Low-Light: Eine rosafarbene Abendrobe mit angedeutetem Korsett und Ziernähten, die verloren am deutschen Model Esther Heesch hing. Aber moderne Damen tragen zur Abendveranstaltung ja sowieso einen Jumpsuit oder Hosenanzug.

Kunden, die diese Kollektion mögen, mögen auch: Dorothee Schumacher

Steht Frauen wie: Die knallengen Schlaghosen verlangen natürlich nach schmalen Endlosbeinen. Aber fließenden Kleider und die Kombination aus Bluse und hoch sitzendem, engem Maxi-Rock , sieht auch an Curvy Girls fantastisch aus

Talk: Fotoverbot! Schon im Vorfeld wurde auf das ausdrückliche Fotografie-Verbot hingewiesen. Vor Ort hielten sich dann fast alle (außer Kathrin) daran. So konzentrierten sich die Gäste vollständig auf die Mode

Another one bites the dust: Rena Lange

Image renalange.jpg

Jetzt ist es offiziell. Nach holprigen Monaten ist Rena Lange endgültig Geschichte. Der Räumungsverkauf startet.

rena lange Ende

rena lange Ende

Was bisher geschah:

Im Dezember 2012 wurde Rena Lange nach 3.Generationen verkauft. Daniel Günthert, Sohn und Vertreter der 3. Generation, der 2001 das Unternehmen übernahm, zog sich zurück und verkaufte sein Unternehmen an die österreichische Unternehmensgruppe Rudigier und Partner. Das Ziel: Eine Gruppe für Luxusmarken aufbauen, sozusagen Kernig oder LVMH im Kleinformat. Das Unternehmen hatte bereits Mabrun gekauft und die Mehrheitsanteile an St.Emile erworben. In einem Interview vor über 1,5 Jahren deutete Siegmund Rudigier mir gegenüber an, die Marke in Paris etablieren zu wollen und sagte zunächst liege alle Konzentration auf dem Produkt:

Wir nehmen uns nicht vor, den Umsatz in 5 Jahren zu verdoppeln. Das wäre typisch für ein Finanzunternehmen und das sind wir nicht. In der Modebranche muss zuerst das Produkt gut sein.

Es folgten zwei Designerwechsel (zuerst Annick Gorman, seit Mitte 2014 Ludwig Hessmeyer), ein Rückzug von der Berlin Fashion Week und unkoordiniertes Management. Ich zitiere aus einem Artikel von Barbara: “In Paris bezahlt Rena Lange seit über einem Jahr einen Laden nicht in bester, aber in sehr teuerer Lage, der nie eröffnet wurde.” Auch der Versuch, das Signature-Piece “Bubikragen” und die Tradition des Labels als Lingerie-Marke wieder zum Leben zu erwecken, scheiterte. Rena Lange entwickelte sich mehr zum Kaufhaus-Chic, statt zum relevanten Prêt-à-porter-Label.

Im September 2014 hatte das Unternehmen einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt (wir berichteten hier) um einen Insolvenzberater zu finden, der das Unternehmen wieder in Fahrt bringt. Nun meldet die Textilwirtschaft: “Investorensuche erfolglos. Der Geschäftsbetrieb der Münchner Luxusmarke Rena Lange wird eingestellt.”

Ich trauere um eine weitere Modemarke aus Deutschland. Was hier nicht gelang wird bei Strennesse hoffentlich ein Erfolg. Die Marke befindet sich in einer ähnlichen Situation, mehr dazu gibt es hier: Kurznachrichten aus der Mode.

 Fotos: Screenshot ww.renalange.com 

Der Beitrag Another one bites the dust: Rena Lange erschien zuerst auf Modepilot.

Gedanken zum Tag und Kurznachrichten aus der Mode

Image Bildschirmfoto-2015-01-09-um-12.33.38.png

Ich bin gerade mit den Gedanken weit weg von der Mode: Im Süden von Paris ist die Polizei weiter bei der Verfolgung der Attentäter der Karikaturisten von Charlie Hebdo. Wieder wurde geschossen, diesmal scheinbar Geisel genommen. In meinem alten Wohnviertel hat sich der Todeschütze von gestern aus Montrouge in einer Metzgerei verschanzt und auch wieder geschossen.

In meinem E-Mail Account häufen sich die Mails meiner, meist politischen Journalisten-Kollegen vom Weltreporter-Netzwerk, die eine heiße Diskussion führen, ob und wie man auf das Attentat als Journalisten-Vereinigung korrekt reagieren soll. Sie alle wollen nicht in den rassistischen Tenor, den man in anderen Medien finden kann, abdriften und suchen nach Worten. Meine französischen Kollegen in Toulouse und im Vorort von Paris sitzen an Hintergrund-Stories zum Geschehen. Ich aber fühle mich gerade sehr weit weg von ihnen mit meinen Themen rund um Taschen, Schals und Blusen.

Instagram Jean-Paul Gaultier: Mitarbeiter und Designer des Modehauses bekunden ihre Trauer zum Attentat auf Charlie Hebdo.

Instagram Jean-Paul Gaultier: Mitarbeiter und Designer des Modehauses bekunden ihre Trauer zum Attentat auf Charlie Hebdo.

Doch anderderseits ich bin die einzige unter ihnen, die in Paris Zentrum wohnt und die ein Kind in einer Schule hat, deren heutiger Ausflug in die nahe gelegene Kirche aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde. In den Kaufhäusern in Paris wurden die Sicherheitskontrollen verschärft und die Leute auf der Straße haben kein anderes Thema mehr. Diskutiert wird, ob man am Sonntag zur Demo geht oder nicht. Parallel sprudeln in mein Mailfach die Infos über die derzeit stattfindende London-Fashionweek und ich schreibe gerade die Anmeldungen für die kommende Herrenmodewoche und die Haute-Couture-Schauen. Mein Beruf macht mich nachdenklich, aber auch die Mode – wie übrigens alle anderen Branchen auch –  hält nicht inne angesichts von Greueltaten. Auch sie produziert Nachrichten, die geschrieben werden wollen. Also reiße ich mich zusammen und mache meinen Job.

Kurznachrichten aus der Mode:

1. Mercedes Benz zieht sich als Sponsor der New York Fashionweek zurück.

Bildschirmfoto 2015-01-09 um 12.44.44Einen guten Text zum Thema hat die Vogue. Tja und einen guten Text dazu hat auch die NZZ, bzw. unser geschätzter Kollege Jeroen von Roojien, der meint, dass diese News ´ eine gute Nachricht ist, denn “Mode ist keine Kirmes”. Oder soll man sagen eine Modewoche ist keine IAA, also eine Automobilausstellung. Was da die Autos in den Modehallen sollten, habe ich eh nicht verstanden.

New York ist längst aus den Kinderschuhen entwachsen, um noch so einen großen Sponsor zu brauchen, meine ich. Es ist eine Überlegung wert, das Modell von Mailand und Paris mit der Modekammer auch dort zu installieren. Das wirkt weniger kommerziell. Doch IMG scheint schon wieder das dicke Business zu riechen. Die Fashionweek New York verliert nur einen Sponsor, nicht ihre wichtigsten Designer. Also alles nur halb so wild.

2. Coach kauft Stuart Weitzmann

Bildschirmfoto 2015-01-09 um 14.09.49Vor drei Tagen meldete der Investmentdienst Moodys, dass das amerikanische Accessoires-Unternehmen Coach den Schuhhersteller Stuart Weitzman kaufen will. Inzwischen gibt es mehr Details zum Deal: Reuters meldet, dass Stuart Weitzman, deren Marke der Private Equity Firma Sycamore Partners gehört, auf einen Wert von 574 Millionen Dollar geschätzt wird. Coach zahlt 530 Mio.$ an Sycamore und weitere 44 Mio. $ bei Erreichen von bestimmten Umsatzzielen in den nächsten drei Jahren. Der Verkauf wurde Anfang der Woche vereinbart und die Übernahme soll im Mai abgeschlossen sein. Das Unternehmen Coach, das eher für sehr klassische Taschen bekannt, war in den letzten Jahren gegenüber Konkurrenten wie Michael Kors ins Hintertreffen geraten und hat in Folge stark an der Modernisierung seines Sortiments gerabeitet. Mit der Übernahme stärkt das in New York angesiedelte Unternehmen seine Position.

3. Erminio Cerbone übernimmt bei Pollini

Bildschirmfoto 2015-01-09 um 14.38.24Der britische Designer Nicolas Kirkwood hat den italienischen Schuhhersteller Pollini verlassen, nachdem er von 2008 bis jetzt dort die kreative Leitung inne hatte. Kirkwood will sich verstärkt seiner eigenen Marke widmen. Nun steht sein Nachfoger fest: Erminio Cerbone übernimmt zur aktuell anstehenden Saison Winter 2015/16. Der noch weitgehend unbekannte Designer hat lange bei Prada gearbeitet in der Mode und den Accessoires, sowie den Damen und Herrenschuhen wie auch für Miu Miu. Später für Dolce & Gabbana, Jil Sander, Armani und als Berater für andere bekannte Firmen.

Pollini bekannt für sein reiches Erbe will mit ihm eine neue, modernere Strategie einläuten, ohne auf das Handwerk “Made in Italy” verzichten zu wollen. Antonella Tomasetti, Managing Director von Pollini, sagte: “We chose Erminio Cerbone because his training and stylistic vision reflects our culture, balancing product knowledge with a fashionable point of view. We are confident that, with his talent and experience, Cerbone will successfully express the ‘made in Italy’ philosophy which has always inspired and defined Pollini.”

Pollini gehört zur Aeffe Group.

Fotos: Screenshots der jeweiligen Websiten

Der Beitrag Gedanken zum Tag und Kurznachrichten aus der Mode erschien zuerst auf Modepilot.

Doppelt gut? Valentino versus Sisley

Image valentino_aw13_0025.jpg

Neben den großen Roben die die Designer Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccolo jede Saison für Valentino kreieren, bedienen sie auch die moderne Luxuskundin mit edlen, aber alltagstauglichen Kleidern. Schlicht, aber graziös. Ein perfektes Beispiel dafür ist das langärmelige Mini-Kleid mit Zierkragen aus der Kollektion Herbst/Winter 2013/14, die vom Gemälde “Das Mädchen mit dem Perlenohrring” des niederländischen Meisters Vermeer inspiriert ist.

Valentino Herbst/Winter 2013

Valentino Herbst/Winter 2013/14
Schwarzes A-Linien Kleid mit weißem Kragen und Ärmelabschluss mit Lasercut und Perlenverzierung. Ein ähnliches Valentino-Modell habe ich bei Forward entdeckt. Shop here: Forward

Nun bietet Sisley eine nahezu perfekte Kopie für rund 121 Euro an. Shop here: Asos.

Sisley_Valentino

Faktenvergleich: Sisley versus Valentino

Material: Polyester, Viskose, Elastan versus Wolle, Seide, Leder

Kragen: Leder (abnehmbar) versus Polyester (abnehmbar)

Erster Eindruck: “Welches Ist das Original?”, fragte meine Testperson.

Zweiter Eindruck:  Das Kleid von Sisley sitzt gut und sieht überraschend hochwertig aus. Der Kragen ist gut gearbeitet und die Perlen fest vernäht.

Und weil das Modell so gut ankam, folgte zwei Saisons später auch die Neuauflage bei Valentino.

Valentino Herbst Winter 2014

Valentino Herbst/Winter 2014/15
Kleid aus Wolle und Seide (Futter) mit floral besticktem Lederkragen. Originalpreis: 2.500 Euro. Jetzt bei Mytheresa.com im Sale für 1.750 Euro erhältlich.

Shop the Look


Fotos: www.catwalkpictures.com , mytheresa.com, asos.com

Der Beitrag Doppelt gut? Valentino versus Sisley erschien zuerst auf Modepilot.