Closet Diary mit Marlies Pia Pfeifhofer

Als gebürtige Wienerin entschied sich Marlies Pia Pfeifhofervor vor 5 Jahren nach München zu ziehen. Von dort aus fliegt sie als Model um die ganze Welt, momentan natürlich wesentlich eingeschränkter.

Marlies ist mit zehn Jahren Erfahrung in dem Business eine echte Expertin in Sachen Inszenierung von Mode und hat uns mit ihrer natürlichen und sympathischen Art inspiriert. Über ihren Stil sagt Marlies Pia selbst: „Ich bin noch nie Trends im klassischen Sinne gefolgt. Ich habe eigentlich immer das getragen was mir gerade gefällt und nicht weil es grad „in“ ist.“

Daraus entsteht ein Mix aus zeitlosen Klassikern und einzigartigen Vintage Pieces, für die sie gerne stundenlang  Flohmarkt-Plattformen durchforstet. Und das Resultat kann sich sehen lassen – so sieht eine Woche bei ihr momentan aus:

Montag

Der erste Tag der Woche startet bei mir meistens mit einem kleinen Workout und anschließendem Home Office. Wie viele andere verbringe ich diesen Tag im gemütlichen, aber stylishen Jogginganzug.

Mein Montagslook ist dieses Mal also ein hellblauer Jogginganzug ( Sweater & Hose) von der eigenen Marke meiner besten Freundin Lena: LeGer by Lena Gercke. Dazu trage ich die passenden Regenbogen Socken von Mother Jeans und meine roségoldenen Hoops sind von Juuls & Juuls. Das sind meine Everyday Ohrringe, die ich wirklich ständig trage.

Dienstag

Heute reise ich nach Hamburg zu einem Photoshoot für einen Werbekunden. Ich ziehe mich am Set sowieso die ganze Zeit um, daher wähle ich auch ein eher bequemes Outfit.


Mein Pulli ist ein kuschlig weicher Kaschmirpulli von Allude, dazu kombiniere ich gerne eine weitgeschnittene dunkelblaue Wollhose von Belstaff und bequeme Sneakers von Nike. Die Weekender Bag ist von Longchamp und mit meinen Initialien personalisiert.


Fun Fact: Letztes Mal am Flughafen in Hamburg hat mich eine Airline Mitarbeiterin auf die Tasche angesprochen. Sie hat gefragt, ob ich denn die Woche davor schon mal in Hamburg war, denn sie erinnert sich an die Tasche. 🙂 Meine Kette mit dem M für Marlies so wie die chunky Hoops sind von Missoma.

Mittwoch

Ich würde meinen Stil als eher klassisch und casual bezeichnen, wie vielleicht auch schon deutlich wurde. Ich trage fast jeden Tag Boots oder Sneakers zu Jeans und T-Shirt. Mein Alltag als Model ist oft weniger glamourös als vielleicht viele denken, daher sieht man mich eigentlich nur auf besonderen Anlässen in High Heels und schicken Kleidchen. Ein schwarzer Blazer und eine gut sitzende Jeans sind für mich perfekte Basics, die in keinem Schrank fehlen dürfen.


Hier trage ich einen schwarzen oversized Blazer von Leger by Lena Gercke, eine gerade geschnittene Jeans von Mango, ein weißes T-Shirt von Zara, Sneakers von Vans und eine Tasche von Nica.


Nica ist ein sustainable Label von zwei Freundinnen aus Wien von denen jede Tasche ein Unikat ist. Und wie fast jeden Tag trage ich wieder meine geliebten rosé Hoops von Juuls & Juuls.

Donnerstag

Der Frühling ist endlich eingekehrt. Fast 22 Grad sagt der Wetterbericht. Das schöne Wetter nutze ich natürlich gleich aus, um meinen Lieblingssuit (Blazer & Shorts) von Set auszuführen und eventuell meine winter-weißen Beine ein wenig in der Sonne zu bräunen.

Heute habe ich ein Showroom Appointment, um mir diverse Shootingklamotten auszuleihen, da fällt es einem leicht den Jogginganzug gegen etwas schickeres einzutauschen. Dazu habe ich ein weißes basic T-Shirt von Zara, mit einer Kette von Eliza Weisz mit meiner Glückszahl 8, Loafers von Prada, meiner allerliebsten Sonnenbrille von Rayban (ein absoluter Klassiker, den ich schon seit über 10 Jahren besitze) und einer Tasche von A.P.C Paris kombiniert.

Freitag

Seit über einem Jahr horte ich alle meine schönen Kleider, High Heels, Clutch Taschen usw. in meinem Schrank, weil es leider keine Möglichkeit gibt sie zu tragen. Deswegen habe ich die sogenannte ‚Date Night‘ Zuhause eingeführt damit mich mein Freund auch mal wieder in schicken Klamotten bewundern darf. Dabei kombiniere ich gerne alt und neu.


Das Bouclé Blazerkleid von Amotea habe ich auf Instagram entdeckt und mich direkt schockverliebt. Die Tasche – ich nenne sie Discokugel – habe ich letztes Jahr von Rotate über die Flohmarktplattform Vestiaire Collective vintage gekauft. Die Kette ist von Leger by Lena Gercke und die Sandalen von Jimmy Choo. Voilá, der perfekte Date Night Look at home.

Samstag

Samstagmorgen holen mein Freund und ich gerne Croissants um die Ecke in unserem Lieblingsdeli Käthe & Luzia, im Lehel. Inspiriert von dem französischen Gebäck habe ich ein klassisches Streifenkleid von Ralph Lauren gewählt. Meine Tasche ist von Prada, die allerdings nur eine PR Leihgabe für bestimmte Zeit ist. Meine Sneakers von Comme des Garcons besitze ich schon ewig und spießig wie ich bin kommen die jedes Mal, wenn ein Fleck drauf ist in die Waschmaschine, deswegen sehen sie selbst nach Jahren aus wie neu. Meine Brille ist von Old Celine, auch vintage über Vestaire Collective gekauft und dazu trage ich eine alte Uhr von Rolex, die ein Geschenk meiner Mutter war.

Sonntag

Der letzte Tag der Woche ist bei mir relativ unspektakulär. Ich verbringe den Tag meistens gemütlich mit Freunden oder Familie oder einfach ganz faul auf dem Sofa und schaue meine aktuelle Lieblingsserie.


Ab und zu mache ich auch Sport und habe daher mein Outfit eher funktional gewählt. Ein schwarzes nahtloses weiches Set von Perfect Moment (Top & Leggings), eine Sweatjacke von Adidas und weiße Sneakers von Nike (ähnlich hier).

Fotograf: Jan van Zonligt @studiojvz

Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.

#CPHFW: Die 5 besten Streetstyles zum Nachshoppen

Jeder hat ja eine andere Stilrichtung, zu der er sich hingezogen fühlt: für manche ist das der Gosha-Rubchinsky-Look aus Russland, für andere sind britische Cocktailkleider das ultimative Highlight, ich fühle mich in Sachen Stil von den Französinnen verstanden und Yildiz ist im Team unser Vorbild für skandinavischen Minimalismus. …

Jeder hat ja eine andere Stilrichtung, zu der er sich hingezogen fühlt: für manche ist das der Gosha-Rubchinsky-Look aus Russland, für andere sind britische Cocktailkleider das ultimative Highlight, ich fühle mich in Sachen Stil von den Französinnen verstanden und Yildiz ist im Team unser Vorbild für skandinavischen Minimalismus. Kein Wunder, dass sie sofort Feuer und Flamme war, als ich verkündete, dass wir die Streetstyles der Kopenhagener Fashion Week (zur Review aller wichtigen Schauen geht es hier entlang) nachstylen wollen.

Sie hat sich also für euch wie verrückt durch die Onlineshops geklickt und mal wieder Sherlock Holmes für die perfekte Handtasche gespielt – mit akutem Schwindel durch zu schnelles Scrollen. Das nenne ich mal Hingabe!

Darja Barannik ist eine russische-norwegische Moderedakteurin – klingt exotisch genug, doch ihr Stil setzt dem ganzen noch einmal die Krone auf: besonders ihre Allover-Print Looks sind in der Streetstyle-Szene bekannt. Die Reise nach Kopenhagen war für die Wahl-Osloerin ja nur ein Katzensprung, trotzdem bringt sie mit ihrem J.W.Anderson-Look französische Vibes in die nordische Metropole. Styling-Trick: Muster-Mix! Macht aus dem Streifen-Outfit einen Blickfang, dazu Chanel Mules und wir sind hin und weg!

Lexi schrieb auf ihrem Blog schon eine Liebeserklärung an den Ganni-Pullover und auch wir haben uns seit dem Streetstyle von Camille Charrière in den knallgelben Oma-Strickpulli verliebt – da vergessen wir sogar unsere eigentliche Abneigung gegen die Farbe und werden freiwillig zum Bibo. Auch wenn der auf den weißen Denim-Mini ganz schön neidisch wäre…

Ja, auch der kühle Norden kann bunt. Gesehen an Modebloggerin Annabel Rosendahl die das Maxikleid von Tory Burch ganz einfach über einem schlichten Basic-Shirt, der gehypten Cult Gaia Tasche (hier erfahrt ihr mehr) und Proenza Schouler Metallic Pumps trägt. Rundet den Look perfekt ab: die farbige Porno-Brille im Stil der Siebziger!

Sophia Roe, Roe Dairy

Ja, vielleicht sind wir im Moment ziemlich in Streetstyle-Ikone Sophia Roe verliebt (in unseren LiebLinks krönten wir sie zum Instagram-Account der Woche), aber die Dänin weiß auch einfach, wie man mit schlichten Basics Hingucker-Looks kreiert. Trenchcoat, weißes T-Shirt, karierte Hose, Statement-Ohrringe und Pumps hat fast jeder von uns im Kleiderschrank. Deswegen gilt die Devise: nachstylen!

Tine Andrea, The Fashion Eaters

Tine Andrea hatte einen langsamen Start in die Modebranche, dafür ist sie jetzt überall präsent, wenn es um die skandinavische Modeszene geht. Die freie Stylistin brilliert vor allem durch Looks, die sich zum einfachen Nachstylen eignen – wenige Zutaten, coole Basics und ein paar Eyecatcher sind ihr Geheimrezept. So auch bei diesem Look, der vor allem von den Accessoires lebt: A-Linien-Rock, Bluse mit weiten Ärmeln, ein paar weinrote Slingbacks und schon steht das Outfit, um mit dem Taxi von Show zu Show zu eilen.

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Céline: Sieger des Wallpaper Design Award

Céline gewann den Wallpaper Design Award für seine Winterkollektion. …

Bild von Céline

Céline gewann den Wallpaper Design Award für seine Winterkollektion.

Phoebe Philo, die für das Design verantwortlich war, konnte sich gegen Louis Vuitton, Gucci und Comme des Garçons durchsetzen.

“Kalkuliert ‘unfertige’ Kleidung war das Herz von Phoebe Philos Winterkollektion für Céline, bei der die Kleider am Rücken unfertig blieben und die Röcke in asymmetrischen Schichten schwangen”, begründete das Magazin seine Wahl. “Die Kleidung wurde sorgfältig zusammengesetzt und hatte exzentrische Feinheiten wie die Manschette bei den Glockenärmeln oder den Flicken vorne auf den Kleidern. Die vernünftigen Schuhe sorgten dafür, dass die Models so schnell wie auch im Alltag laufen konnten.”

Bei den Herrenmode-Designern konnte sich Ermenegildo Zegna Couture gegen Prada, Comme des Garçons, Caruso und Junya Watanabe durchsetzen.

In der ‘Wallpaper’-Jury saß unter anderem Oscarpreisträger Eddie Redmayne (34, ‘Die Entdeckung der Unendlichkeit’), der mit darüber entschied, wer in den elf Kategorien gewann. Koshu Ueshima siegte für die Misoka – ISM Zahnbürste in der Kategorie des besten Pflegeprodukts. “Wenn es bei Design darum geht, dass das Leben leichter wird, dann ist es wohl so, dass simpler das Beste ist”, bemerkte Eddie. “Ich frage mich, ob wir in fünfzig Jahren wieder zum Anfang zurückkehren und ich dann nur noch mit einem Block und meinen Muji-Schreibwaren dasitze.”

Die komplette Liste der Gewinner findet sich im neuen ‘Wallpaper’-Magazin. © Cover Media

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Das Fanny Pack is back

Jared Leto trägt sie, Matthew McConaughey ebenso und Rihanna sowieso und ich bald auch: Die Bauchtasche, Gürteltasche, Hip pack oder auch – mein Lieblingsbegriff – Fanny pack.

various_new_york_vss15_0280Von den Modepilotinnen habe ich sicherlich das größte Trendopfer-Potenzial. Aber ab und zu muss eben mal Abwechslung im Kleiderschrank sein und dieses Trend-Piece 2015 kommt mir sehr entgegen.

Auf mich hat dieses Accessoires nämlich eine magische Wirkung. Vielleicht liegt es nur daran, dass Fanny Packs in meinem Geburtsjahr, also 1988, die absolute Hochphase hatte, aber die Vorteile liegen auf der Hand: hands free! Deswegen war ich auch schon dem Rucksacktrend nicht abgeneigt. Eine Bauchtasche ist ja eigentlich verpönt, an Touristen belächelt und maximal beim Flohmarkt geduldet. Da nicht nur Designer aus Berlin, wie David Tomaszewski und Malaika Raiss die Bauchtasche auf dem Laufsteg für die Wintersaison 2015/16 zeigten, sondern auch Trend-Guru Phoebe Philo in der Céline Resort-Kollektion 2015, ist das Comeback praktisch garantiert.

Celine fanny pack

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Madeleine: vom Versandhandel zum E-Commerce

Madeleine Online shop Versandhandel Modepilot

Der deutsche Online-Shopper gilt international als attraktiv, weil er sich mit Bestell- und Bezahl-Vorgängen leichter tut als andere. Die großen Onlineshop-Betreiber, mit denen ich in den letzten Jahren immer wieder sprach (selbst leitete ich E-Commerce im High Fashion Bereich), führen das auf unsere Versandhandel-Tradition zurück. Wir Deutschen sind mit dem Bestellen von Kleidung wahre Profis: weniger Rückfragen beim Service, schnellerer Abschluss im Kaufprozess. Auch die höhere Retourenquote, die wir bei Onlineshops verursachen, ist auf unsere Übung zurückzuführen: der smarte Shopper bestellt sich die Hose in zwei Größen, behält die passende und das Zurücksenden hat er drauf.

Ich finde das spannend. Zumal mir bewusst wird, dass mich Kataloge noch vor der Vogue-Lektüre prägten. Ich liebte es, als kleines Mädchen in der Küche darin zu blättern. Auch, wenn meine Mutter mit den Augen rollte, wenn ich den Blätterkatalog aus der Post fischte. Die schönen Models der Neunzigerjahre – mit der Hand am aufgestellten Mantelkragen oder in der Taille – kannte ich zunächst aus Heften mit einem Waren-Bestellformular.

Heute trägt Laufstegmodel Izabel “Iza” Goulart die Herbstmode von Madeleine, dem Mode-Versand, der 1978 von Gustav und Grete Schickedanz (Quelle Versand) gegründet und nach deren Tochter benannt wurde. Seit 2001 gibt es Madeleine Damenmode auch online zu bestellen. 30 Prozent des 161 Millionen Euro Umsatzes der Madeleine Gruppe stammen bereits von reinen Online-Shoppern, wobei Telefonbestellungen, die es auch bei reinen Onlineshops gibt, zum Versandhandel gezählt werden. Jetzt bestellte ich mir auf www.madeleine.de Schuhe, wie ich sie mir vor einigen Saisons bei Pierre Hardy gekauft hatte: halbhohe Pumps aus zweierlei blauem Leder. Sie kosten circa ein Fünftel (150 Euro, madeleine.de/lederpumps) des Originals, sind breiter geschnitten, haben ein Fußbett und einen etwas breiteren Absatz. Klar, in der Formensprache ist der Pierre Hardy Pumps unschlagbar. Pierre Hardy ist und bleibt mein liebster Schuhdesigner, doch für den Alltag und die Paris Fashion Week, wo Schotter und Kopfsteinpflaster den Weg zur nächsten Fashion Show ebnen, ist der Madeleine-Pumps das dankbarere Modell.

Iza Goulart Madeleine Kathrin Bierling Modepilot

Model Izabel Goulart im Herbstkatalog “Feeling” von Madeleine und ich bei der Paris Fashion Week: der blaue Madeleine-Pumps passt zum Outfit aus Matthew Williamson-Kleid, Yves Saint Laurent-Mantel und Céline-Handtasche

Pierre Hardy Pumps Madeleine blau Wildleder Modepilot

Der aktuelle Madeleine-Pumps im Vergleich zum Original von Pierre Hardy (helle Kappe)

Julia Schwägerl, die 31-jährige Produkt Managerin bei Madeleine, die ich zum Interview treffe, erzählt, dass es nicht einfach war, Model Goulart für den Herbstkatalog “Feeling” zu bekommen. Schwägerl kennt die Trends aus Paris und Mailand. Sie macht sie tragbar. Zum richtigen Zeitpunkt. Mit anderen Materialmischungen und versetzten Nähten.

Welche Herausforderung bieten Trends aus Paris & Co. zuletzt für Ihre Arbeit?

Julia Schwägerl: ”Spontan? Bauchfrei und Neopren. Der Neoprenstoff kam letzten Sommer in der Mode groß raus. In der Tauchbekleidung besteht er aus reinem Polyamid, bei der High Fashion teilweise auch, aber für unsere Größen geht das teilweise nicht. Wir entschieden uns für eine Mischung aus Polyamid, Polyester und Elasthan, damit es weich, fließend und figurschmeichelnd ist.”

Und den Bauchfrei-Trend setzen Sie für Madeleine um?

Julia Schwägerl: “Der Bauchfrei-Trend kommt uns total entgegen, weil mit ihm die Hosen mit hohem Taillensitz wieder kommen. Die Mehrheit unserer Kunden hat niedrig sitzende Hosen eher seltener tragen wollen. Für uns ist die Passform entscheidend.”

Welche Kundin haben Sie vor sich, wenn Sie solche Entscheidungen fällen?

Julia Schwägerl: “Sie ist Anwältin, Ärztin oder Arzt-Gattin, die selbst berufstätig ist und eine Familie, vielleicht mit vier Kindern, hat. Sie möchte alles unter einen Hut bekommen und dabei immer schick sein. “Easy Chic” nenne ich das.”

Wie sieht sie aus, wenn sie morgens aus dem Haus kommt?

Julia Schwägerl: “Sie trägt eine gepflegte Jeans, eine Seidenbluse, bequeme Pumps und wirft sich noch einen Blazer über. Dann vielleicht noch eine schicke Sonnenbrille und eine große Handtasche.”

Julia Schwägerl Modepilot

Julia Schwägerl

Was trägt die Madeleine-Kundin in diesem Winter?

Julia Schwägerl: “Einen lässigen Oversize-Mantel. Da muss man aufpassen, dass er auch wirklich nach “Oversize” aussieht und nicht so ein veganes Teilchen ist: nicht Fisch, nicht Fleisch. Der Shape muss zu erkennen sein. Mäntel sind das ganz große Thema: Wollmäntel, auch in Kaschmirmischungen – da kommt jetzt viel. Und Lederjacken als Blazer-Ersatz über die Bluse getragen.”

Und nächsten Sommer?

Julia Schwägerl: “Da habe ich dir einen unserer Vorab-Kataloge für Frühjahr/Sommer 2015 mitgebracht, die exklusiv an unsere besten Kundinnen gehen (bei Madeleine wird der Sommerkatalog 2015 im Dezember versendet). Wir haben für den kommenden Sommer plissierte Maxi-Röcke, viele Acqua-Töne und Holzfarben, was sich bei Naturfasern anbietet. Seide ist ja nie rein Weiß, sondern immer gebrochen Weiß.”

Was, wenn ein Produkt so gar nicht funktioniert?

Julia Schwägerl: “Das kann passieren. Dann war man damit vielleicht zu früh dran. Oft versuche ich so ein Produkt in der nächsten Saison in einer anderen Farbe noch einmal anzubieten und dann funktioniert es. Das, was ich jetzt auf den Schauen so sehe, ist teilweise noch zu früh für die Kundin.”

Fotos: Madeleine, Modepilot/Barbara Markert

Ökonomisch gedacht: Was gehört in den Kleiderschrank?

Wenn sich eine Jungredakteurin Slip-ons (Halbschuhe mit Gummizug und Gummisohle) für 600 Euro bestellt… Dann höre ich mich sagen: “700 Euro für dieses Plastikschuhwerk?! Die schickst Du sofort wieder zurück!” und ich ärgere mich, dass ich mich anhöre, wie meine Chefin damals. Oder, wie meine Mutter, wenn sie gewusst hätte, was ich für Schuhe ausgebe. Wie kann ich vermitteln, was mir meine Chefin einst versuchte mitzuteilen? Lieber in Dinge investieren, von denen man lange etwas hat und, die ihr Geld “wert” sind. In ihrem Fall waren das: pro Saison das schönste Kleid von Prada oder Azzedine Alaïa, ein Kelly-bag für immer. Dazu ein Jäckchen aus einer Coco Chanel Secondhand Boutique oder ein Pelzjäckchen von einem New Yorker Flohmarkt und Schmuck von Tom Binns.

Das ist für eine Frau mit Chefredakteurinnen-Gehalt, einer zierlich-weiblichen Figur und italienischer Grandezza “best practice”. Jeder muss herausfinden, welcher Stil zu einem am besten und, was das Gehalt hergibt. Letzteres ist besonders unfair von Jungredakteuren zu erwarten. Schließlich habe ich meine zeitlosen Roger Vivier Pumps bereits im Schuhschrank stehen, für die ich als Jungredakteurin fast mein ganzes Netto-Gehalt auf den Tisch legte. Doch aus eben dieser heutigen Sicht kann ich auch behaupten, dass diese Investition eine gute war. Der CPW (Cost per wear = Kosten pro Tragen) liegt bei mittlerweile unter 10 Euro, ein Pumps von Zara, den ich nur dreimal anziehe, hat einen CPW von über 20 Euro. Vielleicht rechnen sich für manche Slip-ons von Givenchy…

Roger Vivier Pumps Modepilot Buckle

Ich wusste damals auch nicht, was ich an fünf aufeinander folgenden Fashionweek-Tagen tragen soll. Dann, wenn das Licht in der Front-row besonders strafend auf billig glänzende Strumpfhosen fällt. Mir fehlten die Wolford-Strümpfe, die Prada-Kleider, die Henkeltaschen mit Gütesiegel, die formschönen Schuhe. Jetzt kann ich andere an meinen Erfahrungen zu Fehlkäufen und guten Investitionen teilhaben lassen. Und jeder kann für sich daraus ziehen, ob er die Erfahrungen teilt, ob sie nutzen oder tausendmal gehört und liebend gern nicht befolgt wurden.

Meine 10 Tipps zur Diskussion freigegeben…

schwarze Kleider mit Arm Net-a-porter Modepilot

1) Ein schwarzes, knielanges Kleid mit Ärmeln, das nicht knittert; in dem man souverän aussieht, weil die Schulter perfekt sitzt, es nicht auf der Hüfte staucht, es nirgends spannt und es kaum einer Saison zuzuordnen ist. Lange Ärmel, weil man es das ganze Jahr tragen kann, nicht zwingend eine Jacke braucht, wenn man draußen wartet. Und es taugt fürs Fliegen. Bei Nachfrage (Kompliment!) hilft es, eine gute Modemarke nennen zu können, wie Chanel oder Bottega Veneta oder noch besser: einen Schneider/Designer des Vertrauens. Wichtig ist, dass das Kleid in seinem Schnitt perfekt zu eurem Körper und Stil passt, also entweder taillen- oder hüftbetont (damenhafte oder knabenhafte Figur); tief ausgeschnitten oder hoch geschlossen. Ich fand meines – damals als Jungredakteurin – in einer Secondhand-Boutique, es stammt von Prada und ich ziehe es heute noch zu wichtigen Terminen an. Überhaupt sind Kleider mit langen Ärmeln – meist von Diane von Furstenberg – rückblickend meine beste Investition gewesen, weil sie der 24/7-Mode gerecht werden: man kann sie immer, 24 Stunden und an sieben Tagen der Woche, tragen.

Handtaschen Givenchy Mulberry Valentino Modepilot

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2) Bloß keine Handtasche, die Hautärztinnen und Bankerinnen als Statussymbol verwenden, wie z.B. eine “Luggage” von Céline oder eine “Paraty” von Chloé. Oder noch schlimmer: “Speedy” von Louis Vuitton. Es sei denn, ihr seid Hautärztin oder Bankerin. Dann habt ihr andere Sorgen. Besser: eine Tasche, die vor allem euer Format unterstreicht und nicht den Wiedererkennungswert der Marke. Wer schon als Kind am liebsten alles in Grün mochte, der findet vermutlich in einer grünen Handtasche seinen ständigen Begleiter. Sie wird ganz automatisch zu deiner Garderobe passen, denn sie passt zu dir, zu deinen gewählten Farben und Mustern. Am besten sind Handtaschen mit abnehmbarem Umhängegurt. Dann kann sie mit auf Reisen: Umhängen, Koffer hinter sich herziehen und WhatsApp bedienen leicht gemacht. Später Gurt abnehmen und je nach Modell als Clutch oder Henkeltasche verwenden. Hat den immensen Vorteil, dass man weniger umpacken muss und immer alles dabei hat.

Jeanshosen Zara Modepilot

3) Jeanshosen bei Zara kaufen. Die Jeansmode ändert sich so schnell und die Qualitätsunterschiede nicht so gravierend. Da ergibt es kaum Sinn, in eine teure Marken-Jeanshose zu investieren. Es sei denn man ist ein Jeanstyp und die Jeans gehört zu deinem täglichen Look. Dann auf Current Elliott, Levi’s, Closed & Co. setzen. Von Esprit und Topshop habe ich jeweils eine sehr gute Jeggings (Jeans + Leggings), die ich zu Blusen und Blazer trage.

4) Finger weg von Kleidungsstücke, die schon im Laden knittrig oder verfusselt aussehen. Man wird mit ihnen nicht glücklich und, wenn man es glaubt: andere erkennen die schlechte Qualität. Da hilft es auch nicht, wenn ein Designername im Etikett steht.

5) Keine Kompromisse. Kleidungsstücke, in denen Du Dich nicht auf Anhieb “Wow” fühlst, egal was die anderen sagen, nicht kaufen. Indizien für einen Kauf, den Du bereuen wirst sind folgende Aussagen, die Du in der Garderobe machst: Das wird super aussehen, wenn ich braun gebrannt bin; das wird mir bald passen; mit hohen Schuhen geht es. Ich spreche von Farben, die einem nicht stehen und Schnitten, die nicht vorteilhaft sind – egal, wie angesagt sie gerade sein mögen.

6) Schuhe müssen bequem sein. Das kann man sich bei der Anprobe herrlich einreden, vor allem dann, wenn man sich gerade beim Prada-Sale befindet. Einfach eine Weile mit den Schuhen durch den Laden laufen. Wenn beim Ausziehen der Schuhe ein Erleichterungsgefühl eintritt: das vermeintliche Schnäppchen – wenn auch widerwillig – ins Regal zurückstellen. Es wird sonst bald auf Ebay landen und maximal ein Drittel der ausgegebenen Summe einbringen. Wenn man die Schuhe am liebsten gleich anbehalten möchte: kaufen.

Schuhe 2014 Trends Modepilot

7) Schuhmodelle: Bunte Sandaletten machen doppelt Spaß: man bekommt sie von sehr guten Marken noch im Sale und sie passen erstaunlich oft zum Outfit. Sie sind vielleicht das einfachste Manöver, Mut und Stilsicherheit zu demonstrieren. Stiefeletten und Stiefel lieber in Schwarz wählen. Meine roten Stiefeletten haben einen CPW-Wert von 100 Euro. Hier sind die Kombinationsmöglichkeiten (kein nacktes Bein) begrenzt. Bei geschlossenen Modellen immer in Betracht ziehen, ob man sie auch zur schwarzen Strumpfhose anziehen würde. Man braucht kein ganzes Schuhzimmer! Ein flacher Overknee-Stiefl in Schwarz, schwarze Stiefeletten, schwarze Pumps, schwarze Sandaletten, ein paar bunte Sandaletten, goldene Sandaletten (für Hochzeiten und Gala-Abende), schwarze Sandalen und Sandalen in einer Lieblingsfarbe, Birkenstocks, Sneaker, Flip Flops, Haferlschuhe fürs Oktoberfest. Das reicht. Theoretisch.

Dessous 2014 Modepilot

8) Wo bleibt das Austoben? Tobt Euch bei Unterwäsche aus, nicht bei den Strümpfen. Gepunktetes, Geblümtes, Spitze und Knallfarben: im nichtsichtbaren Bereich ist alles erlaubt und ein neonfarbener BH-Träger, der rausschaut, ist immer noch besser als ein weißer. Übrigens: Wer glaubt eine 75 B zu haben, sollte mal eine 70 C probieren. Die meisten Frauen tragen eine falsche BH-Größe und sollten sich über entsprechende Abdrücke am Abend nicht wundern.

Röcke Skirts Net-a-porter Modepilot

9) Röcke: Auf zu kurze Röcke verzichten. In den meisten Fällen lassen sie dich jünger und naiver aussehen. Ist so. Gleiches gilt für Röcke, die zu sehr ausgestellt sind. Lieber schmal geschnittene, knielange Röcke. Wenn Du Dich traust, sie wild zu kombinieren, dann können sie auch Rot, Violett oder Gelb sein, wobei ich hier zu bedenken gebe, dass es dann mit den Strumpfhosen in den kälteren Monaten schwierig wird: schwarze, blickdichte Strumpfhosen sehen zu den hellen Röcken nicht gut aus. Nummer Sicher: schwarzer Leder-Bleistiftrock und taillenhoher Rock aus Kunstfaser, weil nicht knitternd. Letzterer ist perfekt auf Reisen. Jedes noch zu kurze Oberteil lässt sich dazu kombinieren.

10) Jacken, Blazer, Mäntel: Welcher Typ bist Du? Auch hier muss die Garderobe nicht überfrachtet sein. Eine Freundin, die ihren Stil gefunden hat, ist zum Beispiel Alex, die immer eine dicke, lange Strickjacke überzieht – auch zu Abendveranstaltungen. Das passt zu ihr und das finde ich cool. Eine andere Freundin, Nora, zieht immer Blazer in Schwarz oder Weiß übers Cocktailkleid, Gala-Kleid und auch über Kapuzenpullover – das passt wiederum zu ihr und auch das finde ich cool. Ich gürtele mir dünne Mäntel um die Taille – das passt zu meinen schmalen Seidenkleidern und eng geschnittenen Hosen. Für lange Abendkleider habe ich noch keine Lösung gefunden. Nur ein einziger Blazer in meinem Kleiderschrank wird meiner CPW-Rechnung gerecht: mein Alleskönner ist aus schwarzem Samt, tailliert und von Alaïa.

Fotos: Net-a-porter.com, Mytheresa.com, Zara.com